Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1927)
- Article
- Der Einfluß der Juden auf die "kalte" Sozialisierung
- Date
- 1927-06-01
- Page
- 192 (sequence 5)
- Language
- German
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Dr. Kurt Ziel enziger Dr. Robert Kuczynski und Walther Rathenau hinzu. (Wenn wir im Verlauf der weiteren Untersuchung auf die Rolle von Juden aufmerksam machen, dann sind wir uns dabei bewußt, daß sich dieser Einfluß, den wir ganz objektiv untersuchen wollen, nicht restlos klären läßt, gibt es doch auch besonders bei denen, die dem Judentum dem Glauben nach nicht mehr angehören, Zweifelsfälle der Zugehörigkeit genug.) Zum ersten Mal autoritativ wurde das Wort „Sozialisierung" in der Verordnung vom 18. Januar 1919 für den Bergbau proklamiert. Am i3. März 1919 erließ die Nationalversammlung das Sozialisierungsgesetz, das jedoch nur ein Rahmengesetz war. Ihm folgten schließlich noch im selben Jahre die Gesetze über die Kohlen-, Kali- und Elektrizitätswirtschaft Was blieb aber schließlich von den kühnen Plänen der Sozialisten übrig? Keine einzige Fabrik war enteignet, kein Arbeiter plötzlich zum Kapitalisten geworden. „Die deutsche Revolution hat nicht enteignet oder gar konfisziert, sie hat nur ein paar wirtschaftliche Selbstverwaltungskörper organisiert, in denen die privatkapitalistischen Interessenten ungehindert weiter regierten, allerdings gesalbt mit einem Tropfen sozialistischen Öls".1) Dann kam der Umschwung: die Inflation. Anstelle des drohenden Sozialismus schien eine Zeit des uneingeschränkten Individualismus heranzunahen, ledig aller Fesseln der Zwangswirtschaft. Die Inflation schien alles auf den Kopf zu stellen; private Unternehmer wollten Staatsbetriebe aus der Wirtschaft des Staates in die eigene Regie überführen. Stinnes verhandelte mit den Engländern über die Privatisierung der deutschen Reichsbahn. Daneben gingen Bestrebungen auf Auslieferung der staatlichen Bergwerke und vieler Gemeindebetriebe an die Privatwirtschaft. Jetzt feierte die freie Wirtschaft Triumphe. Das Unternehmertum blühte und der Privatkapitalismus schien das Heft in der Hand zu haben. Nach der Stabilisierung wandte sich das Blatt abermals. Die schwere Krise, die das deutsche Wirtschaftsleben bedrohte, gefährdete die Existenz vieler Unternehmer. Damals konzentrierte auch das Reich seine Betriebe, gliederte sich neue an und übernahm Beteiligungen, oft aus Gründen der Subventionspolitik. Denn jetzt ertönten Hilferufe nach der Hand des Staates, die man vorher verschmäht hatte. Wieviel Unternehmer gab es in diesen kritischen Tagen, die müde der Verantwortung oder unfähig ihr viel- 1) J. Bonn: Das Schicksal des deutschen Kapitalismus. Berlin 1926, S. 10. 192