Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1927)
- Article
- Der Einfluß der Juden auf die "kalte" Sozialisierung
- Date
- 1927-06-01
- Page
- 191 (sequence 4)
- Language
- German
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Der Einfluß der Juden auf die „kalte" Sozialisierung sozialistisches Aktionsprogramm, die Karl Kautsky am 12. Januar 1919 herausgab, betonte er, das Streben müsse dahin gehen, dem Klassenkampf „seine Grundlage zu nehmen durch Sozialisierung der Produktion, die dem Arbeiter anstelle des Kapitalisten die Gesellschaft, zu der er selbst gehört, als Besitzer der Produktionsmittel und Leiter der Produktion gegenüberstellt". Und er erklärt: „Das Hauptmittel der Sozialisierung aber nicht das einzige ist die Verstaatlichung des Eigentums an den Produktionsmitteln." Andere Führer des Sozialismus, so Hilferding, warnten vor übertriebenen Sozialisierungsmaßnahmen, und Eduard Bernstein behauptete: „Eine so große Sache kann doch unmöglich das Werk von Wochen und Monaten sein." Wird man also einst sagen, am 9. November 1918 wurde ein Stuck Weltgeschichte geschrieben, und wir sind dabei gewesen? Hat dieser Tag völlige Veränderungen in der Wirtschaftsstruktur des deutschen Volkes mit sich gebracht? Waren diese Gedanken, die nun auch in der neuen Reichsverfassung in den Artikeln i53, i55 und 156 ihren Niederschlag fanden, etwas absolut Neues? Der Krieg hatte bereits eine starke Zwangswirtschaft mit sich gebracht, die die Wirtschaft in die Hand des Staates gab. Damals, als Deutschland einer belagerten Festung glich, war es Walther Rathenau, der den Generalstab der deutschen Wirtschaft organisierte. Kriegsgesellschaften, staatlichen und halbstaatlichen Charakters, entstanden und reine Staatsbetriebe wurden eingerichtet Die Eingriffe des Staates in die Wirtschaft waren während dieser Zeit sehr schwerwiegender Natur, aber sie waren auch damals nicht neu- Neu erschien jetzt nach dem Umsturz das Vorgehen des Staates, weil man das Privateigentum bedroht glaubte. Was geschah wirklich? Zunächst beriefen die Volksbeauftragten die Sozialisierungskommission. In ihrem Arbeitsplan vom 11. Dezember 1918 betonte sie, sie betrachte es „als ihre Aufgabe, jene Maßnahmen vorzubereiten, die geeignet sind, die Überführung von Produktionsmitteln in die Verfügungsgewalt der Gemeinschaft herbeizuführen". „Sie ist sich bewußt", so erklärte sie damals bereits, „daß die Vergesellschaftung der Produktionsmittel nur in einem längerwährenden organischen Aufbau erfolgen kann." Zu den Männern jüdischer Abstammung, die der Kommission vom ersten Tage als Mitglieder angehörten, kann man Dr. Rud. Hilf erding, Professor Dr. Emil Lederer-Heidelberg und Dr. Theodor Vogel st ein-Berlin zählen, später kamen noch Adolf Cohen, Dr. Arthur Feiler- Frankfurt a. M., 191