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Der Morgen · 1927-06-01 · Heft 2 (Juni 1927) · p. 185

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Journal
Der Morgen
Volume
3 (1927-1928)
Issue
Heft 2 (Juni 1927)
Article
Albert Ballin
Date
1927-06-01
Page
185 (sequence 7)
Language
German
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Albert Ballin entgegengeschleudert. Das war die Dankesquittung für seinen, wie wir heute sehen, allein echten, großen, zukunftssicheren Patriotismus. Ballin verdankt also vieles von dem Besten seines Seins dem Judentum. Nur der Jude Albert Ballin konnte der Deutsche Albert Ballin, konnte der Großkaufmann Albert Ballin werden. Wie hat er dem Judentum gedankt? Die Taufe hat er nicht angenommen, obwohl sie ihn vielleicht zum ersten Manne Deutschlands gemacht hätte, ihm die Brücke zu den größten Ehren in Deutschland geschlagen hätte. Dazu war er zu stolz. Diese Bekenntnistreue war kein Leichtes; sie war ein Martyrium Man lese bei Stubmann, wie er sich auf Schritt und Tritt an seinem Judentum wund rieb, wie der Antisemitismus bei Behörden und Einzelpersonen seinen Weg mit Dornen zäunte. Diese Treue bedeutet freilich nur einen negativen Dank gegen das Judentum Wenigstens entehrt hat er es nicht, hat nicht mit dem Glanz, der seine Person auszeichnete, einen Schatten geworfen auf seine engere Gemeinschaft und seine Religion, denen er entstammte. Aber das ist auch sein ganzer Dank gewesen. Sonst war er dem Judentum im tiefsten ein Fremdling. Er nahm an keiner jüdischen Veranstaltung teil, nicht an einer religiösen, nicht an einer sozialen oder gesellschaftlichen. In „splendid isolation" stand er außerhalb unseres Lagers. Er, der dem Kaiser den vornehm-edlen Vorwurf gemacht haben soll: „Majestät vergessen, daß ich Jude bin", vergaß es sich selbst gegenüber, daß er Jude war. Stubmann schreibt über sein Verhältnis zum Judentum (S. 17^ f-): „So nähern wir uns allmählich der tragischen Seite, die das Leben dieses größten und universellsten deutschen Reeders aufweist . . . Das, was ihm in den großen Fragen oft versagt blieb, war der innere Konnex mit jenen, auf die er Einfluß zu nehmen trachtete. Man fügte sich seinem Rat und Wort, weil man seine Klugheit und Überlegenheit anerkannte und bewunderte. Wenige aber fühlten mit ihm. Denn er war oft wie aus einer anderen Welt Hinter seinem Rücken gab es daher nicht selten unschöne Kritik, die sich vorher nicht herausgewagt hatte. Seine Größe war — welcher Größe wäre dieses Schicksal nicht begegnet? — begleitet von dem Fluch der Einsamkeit Dieser Tatbestand verbarg sich in dem unablässigen Betrieb des Tages hinter dem gesellschaftlichen und geschäftlichen Verkehr der modernen Welt; aber niemand, der ihn und seinen engeren Umkreis kannte, wird bestreiten dürfen, daß Albert Ballin mit steigender Größe auch eine innerliche Vereinsamung mit in Kauf nehmen mußte . . . Einer der Gründe, die ihn am Wollen hinderten, 185

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