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Der Morgen · 1927-06-01 · Heft 2 (Juni 1927) · p. 177

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Journal
Der Morgen
Volume
3 (1927-1928)
Issue
Heft 2 (Juni 1927)
Article
Die Sintflut in Sage und Wissenschaft
Date
1927-06-01
Page
177 (sequence 10)
Language
German
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Die Sintflut in Sage und Wissenschaft Mythen der Völker Wirklichkeitswert zuerkennt In allen andern Punkten aber steht Dacque im großen Gegensatz zu Süß. Der Sagenschatz aller Kulturvölker und Halbkulturvölker hat. die Erinnerung an ein Flutereignis bewahrt, das in den meisten Fällen mit ungeheuren Regengüssen verbunden war. In der biblischen Sage regnet es 4o Tage und 4o Nächte; in einer Sage, die in Westaustralien heimisch ist, wird von monatelangem Regen gesprochen, der die Stämme zur Flucht in die Berge zwingt; bei ihrer Rückkehr finden sie ihre Jagdgründe vom Meere bedeckt Auch bei den Fidschi-Insulanern strömt in der Fluterzählung unaufhörlicher Regen auf die Erde hernieder. „Nicht Salzwasser, sondern Regenwasser!" Das ist der Kern der meisten Sagen, der nach Dacques Meinung von Süß und seinen Anhängern einer naturwissenschaftlichen Theorie zuliebe willkürlich umgebogen wurde. Die universelle Verbreitung gleichartiger Flutsagen ist für Dacque ein Beweis dafür, daß es sich nicht um eine räumlich eng begrenzte Katastrophe, sondern um ein Weltereignis handeln muß, bei welchem infolge der verschiedenen geologischen Grundbedingungen der einzelnen Länder und Kontinente von vornherein die mannigfaltigsten Spielarten der Sagen selbstverständlich in Erscheinung treten mußten. Um nun die Möglichkeit solch ungeheurer Regengüsse von universellem Charakter begreiflich machen zu können, erwähnt Dacque zunächst eine von J. Riehm aufgestellte Theorie, um sich dann später zur Glazialkosmogonie von Hörbiger zu bekennen. Nach der Riehmschen Theorie war die Erdkruste früher viel dünner, so daß ihre Eigenwärme stärker wirkte und große Wassermassen verdunstete; es umgab eine treibhausartige Atmosphäre die Erde. Da aber die Erdwärme in den kalten Weltenraum unaufhörlich abfloß, mußte die Wasserverdunstung mit der Zeit rückläufig werden. Wir können uns die Abkühlung der Erde bis zu dem Grad vorstellen, bei welchem der Wasserdampf kondensierte. Ein solcher Prozeß muß sich dann von irgendeiner Stelle aus rasch weiter verbreitet haben, und in Verbindung mit dem normalen Kreislauf des Wassers mußte ein Weltregen entstehen von unermeßlicher Stärke und langer Dauer. „Dies Ereignis war nicht eine Sintflut, sondern die Sintflut, von der die ältesten Überlieferungen des Menschengeschlechts reden." Hörbigers Theorie der Welteislehre ist für Dacque eine jener seltenen genialen Ideen, die einen großen Forscher plötzlich überfallen. 12 177

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