Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1927)
- Article
- Die Sintflut in Sage und Wissenschaft
- Date
- 1927-06-01
- Page
- 174 (sequence 7)
- Language
- German
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Ludwig Basnizki Hiermit wollen wir die Sammlungvon Fiatsagen aus den verschiedensten Kontinenten abschließen und uns der Frage nach der wissenschaftlichen Bedeutung dieser Sagen und den auf sie gegründeten Hypothesen zuwenden. IL Wir legen uns die Fragen vor: Wie hat die Wissenschaft im Laufe der Zeiten das gigantische Ereignis der Sintflut aufgefaßt? Wie stellt sie sich insbesondere zu der Frage nach der örtlichkeit, nach den natürlichen Ursachen, nach dem Umfang der uns in tausenderlei Sagen überlieferten Katastrophe? Hierbei dürfen wir keine eindeutige Antwort erwarten; vielmehr müssen wir uns damit zufrieden geben, wenn wir, verwirrt durch die Gegensätzlichkeit der Anschauungen, überhaupt noch einen natürlichen Wesenskern in der Sintflut zu erkennen vermögen. Wir würden es auch gar niemandem übelnehmen, wenn er die rationalistisch-naturwissenschaftliche Durchdringung der Sintflutsage grundsätzlich ablehnte. Der bedeutendste Forscher, der sich mit der Sintflut als naturwissenschaftlichem Problem abgegeben hat, ist Eduard Süß in seinem Monamental werk: „Das Antlitz der Erde". Er gliedert seine Besprechung unter Zugrundelegung der babylonischen Sintfluterzählung in sieben Teile: 1. Der Ausgangspunkt 2. Die Verwendung von Asphalt 3. Die Warnungen. 4- Die Katastrophe. 5. Weiterer Verlauf und Ende der Katastrophe. 6. Die Strandung. 7. Abschluß, Zeit des Ereignisses. Wir wollen diesem Ideengang kurz folgen. Die landbildende Tätigkeit der Zwillingsströme Euphrat und Tigris zwingen uns den Schluß auf, daß früher die Meeresküste weit tiefer in das Land eindrang als heute, so daß die in der babylonischen Sage genannte Stadt Surippak sehr wohl als Ausgangspunkt der Katastrophe gedeutet werden kann, zumal aus anderen Quellen hervorgeht, daß hier eine im Schiffbau kundige Bevölkerung lebte. Die Tatsache, daß das Schiff außen und innen mit Erdpech oder Asphalt übergössen wurde, spricht ebenfalls für die Euphrat-Gegend. Noch in heutiger Zeit ist dieses Verfahren bei der ansässigen Bevölkerung in Verwendung» 174