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Der Morgen · 1927-06-01 · Heft 2 (Juni 1927) · p. 172

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Journal
Der Morgen
Volume
3 (1927-1928)
Issue
Heft 2 (Juni 1927)
Article
Die Sintflut in Sage und Wissenschaft
Date
1927-06-01
Page
172 (sequence 5)
Language
German
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Ludwig Basnizki Der litauische Gott Pramschinas verdarb durch eine Flut das Menschengeschlecht, das sich bis zu den höchsten Berggipfeln flüchtete. Seine zwei Riesen Wasser und Wind wüteten zwanzig Tage und Nächte lang. Da entfiel seiner Hand eine himmlische Nußschale, auf die sich die Überlebenden begaben und so gerettet wurden. Sagen, in denen keine Gottheiten vorkommen und die wohl nur auf örfeliche, größere Überschwemmungen durch Flüsse zurückzuführen sind, kennt man aus Mittel- und Ostasien. Die Rettung von wenigen Menschen erfolgt teils in Nachen, teils auf Flößen oder Baumstämmen. In einer malayischen Sage kommt eine naturwissenschaftliche Hypothese über die Beschaffenheit der Erde zum Ausdruck. Die Erde sei im Innern flüssig und nur von einer dünnen Kruste umschlossen. Ein Gott zerbrach die Kruste, so daß die Erde überflutet ward. Nur ein Menschenpaar rettete sich. Die Frau gebar aus dem rechten Schenkel Knaben, aus dem linken Mädchen. Von diesen stammen alle Völker der Erde ab. Das an Flutsagen ärmste Land ist wohl Afrika. Der wüstenreiche und wasserarme Norden des Landes bietet für Flutsagenbildung wenig Gelegenheit; ebensowenig die Nilüberschwemmungen, da sie ja alljährlich mit der Regelmäßigkeit eines astronomischen Ereignisses wiederkehren. Bei den Herero hat Livingstone eine Flutsage gehört, nach welcher eine Sintflut sie zum Verlassen ihrer bisherigen Wohngebiete zwang. Sie flüchteten auf die höchsten Berge und mußten ihren ganzen Viehbestand zurücklassen. Nur eine Kuh und ein Stier wurden gerettet Im Gegensatz zu Afrika ist Amerika reich an Flutsagen. Bei den Algonquius sind deren mehrere im Umlauf, von denen eine hier mitgeteilt sei. Der Halbgott Menaboschu, dessen Lieblingswolf von dem Schlangenkönig geraubt wurde, erschlug darob den Schlangenkönig, der in einem See hauste. Sofort erheben sich die Wasser des Sees, der Himmel verdunkelt sich, und. es regnet in den heftigsten Strömen. Auf seiner Flucht kam Menaboschu bis zu dem Gipfel einer Riesentanne, als plötzlich die Flut sich beruhigte. Einer Bisamratte, die die Flut herausspülte, befahl er, unterzutauchen und Erde heraufzuholen. Tot kam sie wieder empor, doch hatte sie zwischen den Pfoten kleine Sandkörner. Diese Körner blies Menaboschu über das Wasser, und wo sie hinfielen, entstanden zuerst kleinere, dann größere Inseln, die sich schließlich zu Kontinenten zusammenfügten. 172

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