Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1927)
- Article
- Die Sintflut in Sage und Wissenschaft
- Date
- 1927-06-01
- Page
- 171 (sequence 4)
- Language
- German
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Die Sintflut in Sage und Wissenschaft Bei den Indern wird die kommende Flut dem Manu von einem gehörnten Fisch verraten. Auf dessen Veranlassung besteigt Manu ein Schiff, bindet es an das Horn des Fisches und landet auf einem Berge, bis die Flut fällt. Bei den Iraniern findet sich eine Sagenform, die für eine der vielen wissenschaftlichen Sintfluttheorien von Bedeutung ist Frost und Schnee stehen am Anfang. Das Schmelzen des Eises und das Zerfließen des Schnees bewirken dann die Flut, aus der nur Yima gerettet wird, der sich einen starken ummauerten Wohnsitz gebaut hat In Griechenland sind zwei Flutsagen bekannt, die des Ogyges und des Deukalion. Die erste soll vom Kopaissee ausgegangen sein und Attika verschlungen haben. Ogyges, König von Attika rettete sich auf einem Schiff mit seinem Gefolge. Die zweite Flut hat Zeus zur Strafe der frevel vollen Menschen geschaffen. Prometheus rät seinem Sohn Deukalion, sich mit seiner Gemahlin Pyrrha auf ein Fahrzeug zu begeben. Das Schiff landet nach neun Tagen auf dem Parnaß. Die Geretteten gehen zum Orakel in Delphi, um zu erfahren, wie der Verlust des versunkenen Menschengeschlechts wieder ersetzt werden könne, „Hüllt Euch beide das Haupt und löst die gegürteten Kleider, und so werft das Gebein der großen Erzeugerin rückwärts" war die Antwort Deukalion deutete die Gebeine der großen Erzeugerin als die Steine der Erde, die nun beide mit verhülltem Haupte rückwärts warfen. Und siehe da, aus Deukalions Steinen wurden Männer, aus denen Pyrrhas aber Weiber. Die Athener feierten in historischen Zeiten die Erinnerung an die Flut, und Pausanias noch erkannte in der Nähe Athens einen Erdschlund, durch den die Flut abgelaufen sei. In Phrygien werden Philemon und Baukis bei einer Sintflut gerettet Die Erinnerung an dieses Ereignis bewahrt eine Münze aus Apameia, die als Münzbild einen Kasten mit einem Menschenpaar und eine Taube mit Ölzweig aufweist Eine germanische Flutsage berichtet, daß drei Göttersöhne den Riesen Ymir töteten. Es entströmte ihm so viel Blut, daß das ganze Riesengeschlecht darin ertrank, bis auf Bergilmir, der sich mit seiner Frau auf einem Boote rettete. Die keltische Sintflut, die ganz Britannien überschwemmte, wurde durch ein in dem See Llion hausendes Ungeheuer verursacht, und hörte erst auf, als die Götter das Untier mit zwei Ochsen aus dem See herausgezogen hatten. Ein einziges Menschenpaar entkommt und bevölkert aufs neue die Erde. 171