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Der Morgen · 1927-06-01 · Heft 2 (Juni 1927) · p. 170

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Journal
Der Morgen
Volume
3 (1927-1928)
Issue
Heft 2 (Juni 1927)
Article
Die Sintflut in Sage und Wissenschaft
Date
1927-06-01
Page
170 (sequence 3)
Language
German
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Ludwig ßasnizki alles Licht ward verwandelt in Finsternis- Die Göttin Istar schreit wie eine Gebärende und ruft: „So ist denn alles in Schlamm verwandelt, wie ich es den Göttern prophezeit Ich aber gebäre meine Menschen nicht dazu, daß sie wie Fischbrut das Meer füllen." Da weinten die Götter mit ihr über die Geister des großen unterirdischen Wassers- Sechs Tage und sieben Nächte behielten Wind, Flut und Sturm die Oberhand. Am siebenten Tage aber legte sich die Sintflut, das Meer zog sich in sein Bett zurück und Sturm und Flut hörten auf. Ich aber durchfuhr das Meer, laut klagend, daß die Stätten der Menschen in Schlamm verwandelt waren, wie Baumstämme trieben die Leichen umher. Eine Luke hatte ich geöffnet und als ich das Licht des Tages erblickte, da zuckte ich weinend zusammen. Über die Länder, jetzt ein furchtbares Meer, fuhr ich dahin, da tauchte Land zwölf Maß hoch auf. Nach dem Lande Nizir steuerte das Schiff. Der Berg des Landes Nizir hielt das Schiff fest So wartete ich sechs Tage lang. Am siebenten ließ ich eine Taube fliegen, da kein Ruheplatz war, kehrte sie zurück. Da ließ ich einen Raben fliegen und als er die Abnahme des Wassers sah, kehrte er nicht wieder zurück- Da ließ ich alles heraus. Ein Opfer brachte ich dar und errichtete einen Altar auf dem Gipfel des Berges." Über die Frage nach der Originalität der biblischen oder babylonischen Sintfluterzählung ist ähnlich wie über die Schöpfungsgeschichte ein Bibel- Babel-Streit der gelehrten Welt entstanden, der uns aber an dieser Stelle nicht interessiert Auch die Ägypter1) haben eine Sintflutsage — man höre und staune — in Bier! d. h. einer Gärmischung aus Menschenblut und den Früchten der Alraune. Wir kennen sie aus einem Grabkammerfund, entstammend dem Jahre i3oo v. Chr. Die Göttin Halhor, die auch bei den neuesten Moses- Forschungen von Grimme eine Rolle spielt, soll das Menschengeschlecht vernichten. Ein Teil aber flüchtet südwärts und erhält von dem Sonnengott Ra den Rat, der nachstürmenden Hathor Bier entgegen zu gießen. Siebentausend Krüge werden ausgegossen, so daß sich die Felder fußhoch anfüllen. Halhor schlürft von dem würzigen Getränk, wird fröhlich gestimmt und vergißt die weitere Vernichtung der Menschen. Die Biersintflut dient also hier dem Heile der Menschheit. J) Den Inhalt der nun folgenden Sagen entnehmen wir dem Büchlein von M. B. Weinstein: „Der Untergang der Welt und der Erde" und Rieh. Andree: „Flutsagen". 170

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