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Der Morgen · 1927-06-01 · Heft 2 (Juni 1927) · p. 169

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
3 (1927-1928)
Issue
Heft 2 (Juni 1927)
Article
Die Sintflut in Sage und Wissenschaft
Date
1927-06-01
Page
169 (sequence 2)
Language
German
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Ludwig Basnizki: Die Sintflut in Sage und Wissenschaft Es liegt in der Absicht des zweiten Teils dieses Aufsatzes begründet, wenn wir die babylonische Sintflutsage ausführlich hierhersetzen. Sie ist in einer Episode des Izdubar-Epos niedergelegt und wurde unter tausenden von Keilschrift-Tontäfeichen von dem englischen Assyriologen George Smith im Jahre 1872 entdeckt und entziffert Richard Andree schildert sie in seinen gesammelten Flutsagen wie folgt: „Du kennst die Stadt Surippak, welche am Euphrat liegt Diese Stadt war schon alt, als die Götter darin zur Anrichtung einer Sintflut ihr Herz antrieb; die großen Gotter insgesamt, ihr Vater Amu, ihr Berater, der streitbare Bei, ihr Thronträger Adar, ihr Führer Ennuzi. Der Herr der unerforschlichen Weisheit, der Goit Ea, war aber mit ihnen und verkündete mir ihren Beschluß. Mann von Surippak, sprach er, verlasse dein Haus und baue ein Schiff; sie wollen vertilgen den Samen des Lebens; darum erhalte du dich am Leben und bringe hierauf Samen des Lebens von jeglicher Art auf das Schiff, das du erbauen sollst X Ellen sei seine Länge und Y sei seine Breite und Höhe, überdache es mit einem Verdecke. Schließe nicht eher die Tür des Schiffes hinter dir, als bis ich dich benachrichtigen werde. Dann steige ein und bringe in das Schiff dein Korn, dein Hab und Gut, deine Familie, deine Knechte und Mägde und deine nächsten Freunde. Das Vieh des Feldes, das Wild des Feldes will ich selbst zu dir senden. Da baute ich das Schiff und versah es mit Nahrungsmitteln. Ich teilte es in Abteilungen, ich sah nach den Fugen und füllte sie aus. Drei Saren (großes Hohlmaß) Erdpech goß ich über seine Außenseite, drei Saren Erdpech über seine Innenseite. Alles was ich besaß brachte ich auf das Schiff, all mein Gold, mein Silber und Samen des Lebens jeglicher Art, all mein männliches und weibliches Gesinde, das Vieh des Feldes, das Wild des Feldes und meine nächsten Freunde. Als nun der Sonnengott die bestimmte Zeit brachte, sprach eine Stimme: „Am Abend werden die Himmel Verderben regnen, steig' ein in das Schiff und schließe die Tür zu." Mit Bangen erwartete ich den Sonnenuntergang. Furcht hatte ich, doch stieg ich in das Schiff und schloß die Tür zu. Dem Buzurkurgal, dem Steuermann, übergab ich den gewaltigen Bau samt Ladung. Da erhob sich dunkles Gewölk vom Grunde des Himmels, in dessen Mitte der Sturmgott seine Donner sprechen ließ. Die Wirbelwinde entfesselt der gewaltige Pestgott, der Gott Adar läßt die Kanäle überströmen, die Götter des großen unterirdischen Wassers bringen gewaltige Fluten herauf, die Erde lassen sie erzittern, des Sturmgotts Wogenschwall steigt bis zu dem Himmel, 169

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