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Der Morgen · 1927-06-01 · Heft 2 (Juni 1927) · p. 168

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Journal
Der Morgen
Volume
3 (1927-1928)
Issue
Heft 2 (Juni 1927)
Article
Die Sintflut in Sage und Wissenschaft
Date
1927-06-01
Page
168 (sequence 1)
Language
German
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Die Sintflut in Sage und Wissenschaft Von Ludwig ßasnizki I. Uns allen ist seit dem frühesten Religionsunterricht die Erzählung von der Sintflut aus dem ersten Buch Moses in unauslöschlicher Erinnerung. Unser kindliches Gemüt hat den Befehl Gottes an Noah, sich eine Arche zu bauen und sich mit je einem Tierpaar darein einzuschließen, mit heiliger Scheu vernommen. Wir freuten uns, daß Noah aus der Taube mit dem ölblatt auf das Fallen der Wasser schloß und es flößte uns Gruseln ein, wenn wir vernahmen: „Und da die sieben Tage Frist vergangen waren, kam das Gewässer der Sündflut auf Erden. In dem 600. Jahr des Alters Noah, am 17. Tag des andern Monats, das ist der Tag, da aufbrachen alle Brunnen aus der Tiefe und taten sich auf die Fenster des Himmels. Und es kam ein Regen auf Erden 4o Tage und 4o Nächte. Eben am selben Tage ging Noah in den Kasten mit Sem, Harn und Jafet, seinen Söhnen, und mit seinem Weibe und seiner Söhne drei Weibern. Und der Herr schloß hinter ihm zu. Und das Gewässer nahm überhand und wuchs so sehr auf Erden, daß alle hohen Berge unter dem ganzen Himmel bedeckt wurden." Der naive, gläubige Mensch hat die Sintfluterzählung stets als tatsächliche Wahrheit hingenommen, als eine gerechte Strafe, die Gott dem sündigen Menschengeschlecht angedeihen ließ. Der kritische Mensch denkt wohl an eine Allegorie, an eine in biblische Form gekleidete Morallehre, die in ihrer Schlichtheit und Emdringlichkeit unübertrefflich ist Außer der biblischen Sintfluterzählung haben eine große Zahl von Völkern Sagen und Mythen, die im Wesenskern mit der biblischen Sage übereinstimmen, wenn sie auch in Einzelheiten erhebliche Abweichungen aufweisen. 168

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