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Der Morgen · 1927-06-01 · Heft 2 (Juni 1927) · p. 158

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Journal
Der Morgen
Volume
3 (1927-1928)
Issue
Heft 2 (Juni 1927)
Article
Einführungen in das erste Buch Mose
Date
1927-06-01
Page
158 (sequence 10)
Language
German
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B. Jacob Wenn es geschienen hat, als ob wir die Rede des Elohim in eine Zwiesprache Abrahams mit sich selbst umsetzten, so geschah es nicht, am sie wegzudeaten, denn es gibt Grottesstimmen, die die religiöse Seele als aus einer anderen Welt kommend vernimmt und die religiös stumpfen haben kein Recht, die absolut selbstsicheren Zeugnisse jener in Zweifel zu ziehen, sondern um sie jedermann verständlich zu machen. Das ist eben die Natur der echten Gottesoffenbarungen an die Erwählten und ihr Prüfstein, daß der Vorgang als eigenstes inneres Erlebnis uns zwar unzugänglich bleibt, aber der Inhalt jeder Kritik der Vernunft und des Gewissens standhält Und siehe da! es gibt doch ein Opfer; Altar, Holz und Feuer sind nicht umsonst gewesen- Abraham sieht einen Widder, der sich mit den Hörnern im Gestrüpp verwirrt hat, und diesen bringt er nun dar. Den Ort aber nennt er: ER sieht! Nicht ein Elohim sondern Gott selbst ER verhüllt sich nicht bis zuletzt, ER wählt sich das Opfer, das kein Mensch sein soll, ER greift als rettende Vorsehung ein, ER ist doch der Herzenskundigste, wie Abraham triumphierend als sein Erlebnis feststellt Jetzt ist ER ihm aufgegangen, nämlich als der Gott der Liebe, d. h. der die von ihm selbst eingepflanzte Menschenliebe zum eigenen Fleisch und Blut achtet und selber vor ihr zurücktritt Elohim forderte das Opfer, und ER weist es zurück Das Vaterherz hat Recht Es braucht sich nicht vergewaltigen zu lassen. Die Gottesfurcht im Kindesopfer will er nicht. Das hat er nie befohlen. Ja es ist ihm ein Greuel. Heroismus ist nur gottgefällig, wenn es gilt, Leben zu erhalten, nicht zu vernichten. Sonst wird er zum finsteren menschenmordenden Fanatismus. Dies und nicht etwa die verkehrte Glaubensansicht ist es, was die Bibel am Heidentum verabscheut Seine Elohim bringen es höchstens zu strenger Gerechtigkeit, nicht zu Humanität und Menschenliebe. Die Orgieen der Grausamkeit und Selbstpeinigung sind ihre Nachtseite, und vor allem im Kindesopfer überschlägt sich die Furcht Gottes und wird zum Entsetzen. Die angeführten Worte des Propheten Micha, was ER von dir fordert, klingen wie eine Berufung auf unsere Erzählung: Gerechtigkeit üben, liebreich handeln und in Demut wandeln mit deinem Gotte. Die Geschichte ist aber auch eine Rechtfertigung des von Gott genehmigten Opfers, wie es dann die Thora ausgebildet hat Eben darum konnte es von Abraham vorher noch nicht geübt werden. So hatte sich Gott auch Noah, dem Stammvater der Menschheit, nach dem Opfer segnend offenbart 158

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