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Der Morgen · 1927-06-01 · Heft 2 (Juni 1927) · p. 159

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Journal
Der Morgen
Volume
3 (1927-1928)
Issue
Heft 2 (Juni 1927)
Article
Einführungen in das erste Buch Mose
Date
1927-06-01
Page
159 (sequence 11)
Language
German
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Die Akeda „Daher sagt man noch heute: auf SEINEM Berge wird gesehen." Wer wird gesehen? Beide! Gott und Mensch. Auf der Höhe wird der Grottsucher erkannt und erscheint ihm Gottes wahres Wesen. Das Opfer läßt ins Herz sehen. So vor Gott erscheinen und sich sehen lassen heißt ihn sehen und dies heißt in seinem Lichte leben. Das Opfer Abrahams auf dem Moria ist das Vorbild der späteren Wallfahrtsfeste. Die Ablehnung Gottes kann auch noch als Antwort auf eine andere Frage gelten: in Isaak wäre nicht bloß der Sohn, sondern auch das zukünftige Volk geopfert worden. Muß der Religion das Volk geopfert werden? Ist das Volk nicht eine Beschränkung? Nein! Das Volk, der Nachkomme ist der zuverlässigste Träger der Religion, so wie es andererseits keine Menschenliebe geben kann, wo man es fertig brächte, das eigene Kind zu töten und die gottgeknüpften Bande zu zerreißen. — Der landläufigen Pentateuchkritik gegenüber mag man aus unserer schriftgemäßen Erklärung entnehmen, wie widersinnig es ist, eine Erzählung wegen des Wechsels der Gottesnamen zu zerreißen und an verschiedene Quellenschriften zu verteilen. Eine verkehrtere, das Verständnis ärger hemmende, ja unmöglich machende Theorie konnte nicht ausgedacht werden. Wir stellen im Gegenteil die paradoxe Regel auf: wo in einem Kapitel die Gottesbezeichnungen wechseln, ist dies der sicherste Beweis für die Einheit des Erzählers, der darin seine tieferen Gedanken über Gott ausspricht, daher der Wechsel sofort auftritt, wo eine religiös zwiespältige oder sich erst entwickelnde Persönlichkeit vorgeführt wird. — Und nun ergeht zum zweiten Male das Wort und jetzt, nachdem Abraham ihn gefunden, des Ewigen selbst, in der stärksten Form, die denkbar ist Gott schwört bei sich selbst! „Bei mir schwöre ich — ist SEIN Spruch — weil du dies getan hast und deinen Sohn, deinen Einzigen nicht geweigert hast (man höre wohl! diesmal nicht: mir geweigert) ..." Es ist der einzige förmliche Gottesschwur in der Patriarchengeschichte und alle später immer wiederholten Berufungen gehen auf ihn zurück. Und für diese Tat des Gottesgehorsams, einer Gottesliebe, die da spricht: wen habe ich im Himmel und neben dir begehr ich nichts auf Erden, „sollen sich mit dir segnen alle Geschlechter der Erde". Also hat Abraham Gott geliebet, daß er seinen eingeborenen Sohn hingab, auf daß alle, die ihm nachfolgen erkennen, wie GOTT uns liebt. 159

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