Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1927)
- Article
- Einführungen in das erste Buch Mose
- Date
- 1927-06-01
- Page
- 157 (sequence 9)
- Language
- German
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Die Akcda die Entäußerung, die Bekundung der Ergebenheit in darbringendem Herannahen. Dann aber ist unzweifelhaft das überwältigendste Zeugnis der Gottesfurcht das Kindesopfer in seiner schauerlichen Großheit. Denn es gibt das Liebste, das eigene irdische Fortleben hin. Darum fordert „Eiohim" es auch von Abraham. Gewiß dürfen wir auch widerstrebende Gedanken bei ihm annehmen und müssen es, da er ein Mensch und kein Stein war. Aber er heißt sie verstummen, weil sie aus der Liebe zum Irdischen, d. h. zu sich selbst kommen. Dann erst erscheint ihm seine Gottesfurcht über jeden Verdacht erhaben, wenn er auch dies letzte Band zerreißt Kann ein Abraham zurückstehen wollen gegen die starkmütige Frömmigkeit der Heiden? Was zu ihm redet, muß von Gott kommen, weil es dieselbe ja noch übersteigernde Größe der Forderung und dieselbe mitfühlende Liebe ist, die die verhängnisvolle Botschaft zögernd herausbringt, bis das Schwerste ausgesprochen ist: deinen Sohn — deinen Einzigen — den du liebst — den Isaak, wie einst: aus deinem Vaterlande — aus deinem Heimatsorte — aus deinem Elternhause. Und noch gewisser wird es ihm, weil an dieses Geh! keinerlei Verheißung geknüpft wird. So folgt er denn dem Ruf, das herzzerreißende Gebot zu erfüllen. Nicht umsonst hat er geantwortet: Hier bin ich! Jetzt verstehen wir das Zeugnis, das Abraham erteilt wird. Wir würden uns keiner Untreue schuldig machen, wenn wir übersetzten: jetzt habe ich erkannt, daß du wahrhaft und im höchsten Sinne das Wortes gottesfürchtig bist Und da die Gottesfurcht der zentrale Gedanke der Bibel ist, mußte sie in der Geschichte des ersten Stammvaters als ihr Höhepunkt erscheinen. Das aber ist die Weitherzigkeit der Erzählung, daß er für sein Vorhaben gottesfürchtig genannt wird, daß sie 'ihn darin als einen Heros der Menschheit behandelt. Es ist nicht ihr letztes Wort, beileibe nicht, aber die Bibel denkt groß genug, solche Gesinnung zu würdigen. Allein, aus einem noch tieferen Grunde kommt der Ruf: Abraham! Abraham! als Bolschaft von IHM — wenn man will aus dem letzten eigenen Herzensgrund, der Selbstbesinnung im letzten Augenblick. Nein! das kann ich nicht sollen. Das Messer in der erhobenen Hand bringt den Umschwung. Gegen einen Menschen und gar das eigene Kind gezückt kann es kein Opfer sein. Mord wäre es! Mit dieser Geberde zeigt die Tat dem nicht verblendeten Sinn schon jetzt ihr grausiges Antlitz. Davor zerstiebt alle Klügelei und wechseli der Wille die Farbe. 157