Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1927)
- Article
- Einführungen in das erste Buch Mose
- Date
- 1927-06-01
- Page
- 155 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Akeda zugeschaut, voll Spannung, Teilnahme, innig bewegt. Ecce spectaculum dignum, ad quod respiciat inientus operi suo Deus; ecce par Deo dignum! Seht da, ein Schauspiel würdig, daß Gott, in sein Werk versunken, es betrachte, fürwahr, ein Gottes würdiges Paar! Und der Midrasch erinnert sich hierbei des Verses: „Siehe, die Himmlischen schrieen auf und die Friedensengel weinten bitterlich." — Da rief ihm ein Engel des Herrn vom Himmel zu. Weiter sollte nach dem Willen des Himmelsherren die Prüfung nicht gehen und augenblicks wird ein Bote — es wird jener erste Elohim, der Satan selbst sein, aber jetzt heißt er: ein Bote von IHM — beordert, ein Hält zu rufen, vom Himmel her, denn es ist keine Sekunde zu verlieren: „Abraham! Abraham! Strecke deine Hand nicht wider den Knaben und tue ihm nicht das Geringste. Denn jetzt weiß ich, daß du Golt (Elohim) fürchtest, da du deinen Sohn, deinen Einzigen mir nicht verweigert hast" Die Prüfung ist bestanden, Gott hat recht behalten. Und auch wir atmen erschüttert doch befreit auf. — Aber ist das Lob, das hier Abraham vom Himmel her erteilt wird, eine genügende Würdigung? „Jetzt habe ich erkannt, daß du gottesfürchtigbist." Wie, nicht mehr? Scheint nicht sonst die Furcht Elohims geradezu das Mindestmaß an Religion und Moral zu sein? Als Abraham sein Weib verleugnet hatte, rechtfertigte er sich vor Abimelech mit den Worten: ich dachte, es ist keine Gottesfurcht an diesem Orte, und so werden sie mich wegen meines Weibes töten. Und Amalek wird dies zum Vorwurf gemacht, daß er die müden und ermatteten Nachzügler Israels überfiel „ohne Gott zu fürchten". Dabei sind dies „Heiden", und Abrahams, des Gottesfreundes, große Tat soll nicht höher zu bewerten sein als die Scheu vor einem Totschlag? Aber gerade in diesem Wort liegt der Schlüssel zu der ganzen Erzählung. Was ist Gottesfurcht? Wir müssen unterscheiden zwischen der Furcht Gottes und der Furcht GOTTES (jir'at Elohim und jir'at ha-Schem). Sie haben denselben Urgrund, aber an Umfang und Tiefe unterscheiden sie sich gewaltig. Die Furcht Gottes ist die Ehrfurcht vor dem unsichtbaren und erhabenen Göttlichen und seinem sichtlichen Abglanz, und insofern es als eine unbedingt verbietende sittliche Macht gefühlt wird, ist es die Scheu, dem Trieb zum Bösen nachzugeben. Elohim, das zu verehrende und zu scheuende Göttliche, tritt uns entgegen aus der Schöpfung, die den Stempel seiner Allmacht und Größe zeigt, und aus dem Menschen, jedem Menschenantlitz als dem Ebenbild Gottes. Gottesfurcht ist Menschenachtung. Sie ist 155