Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1927)
- Article
- Einführungen in das erste Buch Mose
- Date
- 1927-06-01
- Page
- 154 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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B. Jacob immer geschieht, mit drei Worten zu berichten gewesen. Hier wird sie gedehnt und damit kunstvoll eine Verzögerung erreicht, die der Spannung des Lesers Raum läßt Auch ist es bewundernswert, daß gerade dieser Teil gewählt ist, um den Sohn, der doch ebensosehr Hauptperson wie der Vater ist, zu Worte kommen zu lassen, sodaß er nicht mehr bloß stummes Objekt ist (wir kommen bei Isaak darauf zurück). Damit ist das Folgende, wo es ein plumperer Erzähler angebracht hätte, von allen Gefühlsäußerungen entlastet Kein Wort wird mehr gesprochen, nachdem sie oben angelangt sind. Abraham baut den Altar, schichtet die Scheite, beides zusammen sicherlich eine Arbeit von Stunden, und da sich nichts blicken, keine Stimme vom Himmel vernehmen läßt, so kann der Vater nicht mehr zweifeln.: Ja! Isaak, sein Sohn, soll das Opferlamm sein! Und so schreitet er denn dazu: er bindet ihn .und legt ihn auf den Altar oben auf die Scheite. Im Sinne Gottes, ja selbst im Geiste der Sprache, die oft für die Handlung ein sich dazu Anschicken oder Ausholen setzt und als die Tat selbst wertet, ist das schon das Opfer. Darum wird geflissentlich berichtet, daß er den Sohn gebunden auf den Altar oben auf die Holzscheite gelegt hat, denn sonst erfolgt keine Schlachtung auf dem Altar. Da aber noch immer nichts eintritt, so muß es denn wohl der Wille Gottes sein, daß er auch den letzten Schritt tue. Und entschlossen und mit vollem Vorsatz („er streckte seine Hand aus") tut er ihn! Er ergreift das Messer — um seinen Sohn zu schlachten! Man bemerke: so umfangreich das Opfergesetz der Thora ist und so viel darin geschlachtet wird, so wird doch niemals ein Messer genannt, da Nebensächliches nicht angegeben zu werden braucht. Nur hier geschieht es, um die Tat lebendig vor Augen zu stellen und jeden Zweifel zu beseitigen, daß Abraham zum Äußersten nicht bloß bereit, sondern schon mitten im Vollzuge war. Die erhobene Hand kann nur noch herabfallen, das gezückte Messer, so dünkt uns, nur noch den tötlichen Streich führen. Auch ist es das erste Mal, daß das Wort Schlachten vorkommt und gleich im schrecklichsten Sinne. Aber noch stärker kennzeichnet das Fehlen eines Wortes das Übermenschliche dieses Vorhabens und gibt die ungeheure Bewegung des Erzählers, des Lesers, des Vaters wieder. Vorher hieß es regelmäßig: seinen Sohn Isaak, hier nur: „seinen Sohn". Ein Vater will seinen Sohn schlachten! Messer, Schlachten, Sohn — jedes Wort atmet Entsetzen. Aber nicht bloß wir Menschen hier unten sind angstvoll dem Erzähler gefolgt. Ein Kranz von göttlichen Wesen hat oben vom Himmel her 154