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Der Morgen · 1927-06-01 · Heft 2 (Juni 1927) · p. 151

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Journal
Der Morgen
Volume
3 (1927-1928)
Issue
Heft 2 (Juni 1927)
Article
Einführungen in das erste Buch Mose
Date
1927-06-01
Page
151 (sequence 3)
Language
German
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Die Akeda Erlaubnis Gottes, mit den Boten Balaks mitzugehen, Gebrauch macht (denn der Zorn Gottes heißt sonst niemals wie an jener Stelle: der Zorn Elohims). Hier ist es Der Elohim d. h. der bestimmte oder weiterhin festgehaltene. Was also im Prolog des Buches Hiob in dramatischer Entfaltung ausgeführt ist, wird in unserer Erzählung in Einem Satze gesagt, aus dem sich aber leicht die gleiche Verhandlung im himmlischen Rate entnehmen läßt: hast du, der du nie an den Menschen glauben willst, auf meinen Knecht Abraham geachtet? Hat er es nicht verdient, mein Freund und Vertrauter auf Erden zu sein? — Ja, aber hast du ihn nicht mit Segnungen überschüttet, ist er nicht reich und) hochgeehrt, hast du ihm nicht den Sohn geschenkt, durch den er glücklich ist? Fordere aber einmal diesen zurück, daß alle seine Hoffnungen zusammenbrechen, und sieh, ob er dein getreuer Knecht bleiben wird! — Wohlan, so versuche es, nur daß es nicht bis zum Äußersten kommen darf. Darum beginnt das Kapitel: „Es geschah nach diesen Begebenheiten" d. h. nachdem uns — ebenso wie bei Hiob — der Held in dem Vorhergehenden auf dem Gipfel seines Glückstandes gezeigt worden war, hier wie dort nach einem Feste in strahlendem Glück seines Hauses. Denn es ist nicht einerlei, wann eine Prüfung kommt. Je größer die Höhe, je tiefer der Sturz. Wir Leser aber werden zu Mitwissern gemacht, daß es eine Prüfung sein soll. Daß Gott den Menschen versucht oder versuchen läßt, geschieht nicht, damit Er, der Allwissende, in Erfahrung bringe, ob der Mensch bestehen wird, sondern damit dieser selbst und die Welt es erfahren. Die Prüfung zeigt, ob der Mensch sich dem Ungemeinen gegenüber ungemein verhalte, sie soll sein Gold an den Tag bringen und ihn seiner selbst gewiß machen. Die Belastungsprobe ergibt die Tragfähigkeit, die Prüfungen Gottes stählen und erhöhen. Aber der Gottliche, der Abraham versucht, ist dennoch Gott selbst, weil Er ihn gewähren läßt und entsendet Das ist eben der den religiösen Möglichkeiten Spielraum gebende Sinn von Elohim. Wie das Reden Gottes so ist auch seine Versuchung vermittelt. Elohim ist Gott, nur nicht sein letztes Wort So ergeht denn die Rede an Abraham. Aber hier entsteht eine neue Schwierigkeit Ihm darf natürlich nicht gesagt werden, daß es nur eine Prüfung sein soll. Aber eine Gottesstimme darf auch keine Unwahrheit sagen. Sie muß sich so ausdrücken, daß Abraham an die Forderung glauben kann und beinahe muß, aber doch nicht hinterher sagen darf, daß er getäuscht worden sei. Er darf nur sagen, daß er falsch verstanden habe. So wird denn auch verfahren, nur daß fast kein Erklärer diese Versuchungsrede ganz be- 151

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