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Der Morgen · 1927-06-01 · Heft 2 (Juni 1927) · p. 150

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Journal
Der Morgen
Volume
3 (1927-1928)
Issue
Heft 2 (Juni 1927)
Article
Einführungen in das erste Buch Mose
Date
1927-06-01
Page
150 (sequence 2)
Language
German
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B. Jacob es mir je in den Sinn gekommen!" Oder: „Hat Gott Wohlgefallen an Tausenden von Widdern, an zahllosen Strömen Oels? Soll ich meinen Erstgeborenen hingeben für meinen Fehl, die Frucht meines Leibes für die Sünde meiner Seele? Dir sagte es ein Mensch, was gut ist und was der Herr von Dir fordert: Gerechtigkeit üben, das Wohltun lieben und in der Stille wandeln mit deinem Gotte!" Ebenso schwer ist die Frage, wie Abraham dieses Verlangen gerade an ihn für den Willen Gottes halten konnte. Widersprach es denn nicht allen bisherigen Verheißungen? War es denn nicht eben dieser Sohn, durch den sie in Erfüllung gehen sollten? War es also nicht ein Widerspruch Gottes mit sich selbst, des Gottes, an den zu glauben gerade seine Widerspruchlosigkeit, die Treue gegen sein gegebenes Wort, willig und zuversichtlich macht? Die Antwort gibt der erste Vers: „Es geschah nach diesen Begebenheiten, da versuchte Der ELOHIM den Abraham." Unser Kapitel ist nämlich unverkennbar das Vorbild des Buches Hiob. Hier wie dort handelt es sich um eine Prüfung, um dasselbe Problem, das für den israelitischen Sinn überhaupt das höchste ist: Wessen ist der Fromme, der Gottesknecht fähig? Gibt es eine reine Frömmigkeit, die auch durch die schwerste Prüfung nicht zu erschüttern ist? Von seiner Beantwortung hängt die sittliche Größe des Menschen, die Reinheit seines Verhältnisses zu Gott ab. Im Buche Hiob wird die Prüfung im göttlichen Rat beschlossen und besteht in Leiden, sie wird von Gott zugelassen und von einem der Bne ha-Elohim d. i. der himmlischen Untergebenen ausgeführt Er heißt der „Satan", was keineswegs wie in späterer Zeit einen bösen Geist, einen Gegengott, den Teufel bedeutet, sondern: den Ankläger, den Hinderer, der für das Gute nur um so stärker eifert Er ist das personifizierte Mißtrauen in die Echtheit der Tugend und Gottesfurcht, so lange sie nicht die stärksten Proben bestanden haben. Er ist der Staatsanwalt des göttlichen Gerichts, der sie in das Kreuzfeuer der Prüfungen nimmt und die Anklage nicht eher fallen läßt, als bis jeder Vorwurf widerlegt ist. — Oder ist es etwas wie Eifersucht der Himmlischen gegen den Menschen, diesen Spätling der Schöpfung, diesen irdischen Emporkömmling, der sich an den Thron herandrängt und sich am Ende noch kraft seiner sittlichen Freiheit ihnen überlegen dünkt? Ist es ihr Adelsprivileg, um das sie kämpfen, wenn sie seine Tugend und Gottestreue verdächtigen? Solch ein eifernder Eiohim, ein, wie häufig, strengerer Diener als sein Herr ist es z. B., dessen Zorn darüber entbrennt, daß Bileam von der 150

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