Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1927)
- Article
- Unsterblichkeit
- Date
- 1927-06-01
- Page
- 142 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Max Wiener Natürlichen durch das Göttliche, die dualistische Zerfällung des Alls offenbart dem irdischen Erleben in seiner ganzen Breite das unbestimmte Bild eines höheren Seins als gewisses Ziel seines hier nie zu völliger Befriedigung und Befriedung gelangenden Gefühls. Da handelt es sich nicht mehr um einen besonderen Ausschnitt menschlicher Sorgen und Interessen, des Verlangens nach Glück und nach Schicksalssicherung, dem die Sehnsucht endgültig gestillt werden soll; sondern, wenn ein Gott ist und ein Leben des Geistes, das von ihm getragen wird, da wirkt das Verlangen nach eines vollkommenen Gestaltung mit unausweisbarer Sicherheit in die Richtung auf Krönung dieses Lebens durch ein höheres, das nur ein jenseitiges sein kann, weil keine irgendwie geartete Diesseitigkeit die volle Ruhe im vollen Leben bringt. Und hier ist es gerade die Religion der Persönlichkeit, welche die Unsterblichkeit verlangt Es hat einen guten Sinn, daß die Vorstellung von dem! Zustand nach' dem Tode in diesem keine Entwicklung und kein Weiterschreiten mehr anerkennen will, daß er vielmehr die Ruhe, die Seligkeit, die Vollendung ist Das bedeutet die Überwindung des Zustandes, der das sinnlich irdische Leben kennzeichnet, das Erstreben von Zielen, die sich — kaum erreicht — notwendig als die Durchgangspunkte zu neuem Wollen herausstellen. Personalistische Religion ist im Unterschiede von Mystik auf scharfe Absetzungen und schroffe Grenzen im Wesen und in der schicksalshaften Gestaltung ihres Subjektes abgestimmt. Für den Mystiker verfließt die Linie zwischen Diesseits und Jenseits; er ist immer bei Gott, weil er in Gott ist, weil seine Gewißheit, in der All-Einheit zu schweben, keinen Wandel, keine Steigerung des Lebens mehr zuläßt. Die körperhafte Schein-Existenz, welche ihm eine Individualität vortäuscht, oder der Abfall von dem Einen, dessen Frucht diese Sünde persönlichen Seins ist, das kann ja schon hier in der Ekstase oder in der denkhaften Hingebung an das Unendliche überwunden werden. Wodurch sollte das Kommende mehr bieten, als das Gegenwärtige enthält? Wo aber im persönlich frr'en Leben der Kern des Menschlichen erfahren, wo in Spannungen und Erschütterungen, in Aktionen eines eigenen und echten Ich und in Reaktionen auf ein wirkliches Außen sich der Gehalt des Daseins vollzieht, wo das Höchste der höchsten Individualität Tat, Schöpfung ist, da ist Werden, Bewegung, Zielstrebigkeit Darum sind es verwandte Probleme, wie in den Charakter des vollkommenen und unwandelbaren Gottes der Antrieb zum Wollen und zu schöpferischer Regsamkeit hineinkommen soll, 142