Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1927)
- Article
- Unsterblichkeit
- Date
- 1927-06-01
- Page
- 143 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Unsterblichkeit die doch für sein Verhältnis zur Welt und zum Menschen grundlegend sind, und wie dem Menschen der Seligkeit die Persönlichkeit erhalten bleiben kann, deren Eigenart doch durch selbständiges Wollen, Zielsetzen und Zielstreben bestimmt ist Damit aber stehen wir mitten in einer schweren Antinomie, in die der Unsterblichkeitsglauben sich verstrickt: wie ist die Ruhe der Vollendung mit der Unruhe der Unvollendbarkeit vereinbar, die doch der Sinn des Menschen ist, gerade der Sinn des Menschen, dessen Gottebenbildlichkeit in persönlicher Geprägtheit besteht? Eine Lehre, welche der Seele Fortdauer zugesteht, um die im endlichen Dasein nicht zur Entfaltung gelangten Keime und Anlagen zur vollen Reife zu bringen, trifft nicht das, was der religiöse Gedanke vom ewigen Leben meint; denn da müßte folgerichtig jedes erreichte Niveau von einem erhabeneren überhöht werden, bis schließlich die Vollendung und damit ein Ende der Entwicklung erreicht wäre. Engt man aber umgekehrt — etwa wie Maimonides es getan — die Fortexistenz als ein Vorrecht derjenigen ein, die in irdischer Erscheinungsform die höchste ihrer Art mögliche Gestaltung erreicht, dann scheint es unausbleiblich, daß die Unterschiedenheiten der Individualitäten, damit aber sie selber und alle Persönldchkeitsform verschwinden. Hier ist die Seele zum Geist geworden, der in inniger Einheit mit dem göttlichen Geist kein Ich, das vom Du geschieden, mehr kennt Gibt es einen Ausweg aus dieser Schwierigkeit? — Offenbar keinen, den Gedanke und auch Phantasie bahnen können. Aber wir wiesen schon vorhin auf das große Vorbild für die Unbegreiflichkeit jenseitigen Lebens hin. Das ist die Unbegreifbarkeit des göttlichen Wesens selber. Unwandelbares Sein, Selbstgenügsamkeit — wie einen sich diese mit Schöpfungswille und lebendiger, lebenerzeugender Tat? Göttliche Persönlichkeit und menschliche erweisen sich im ganzen Ausmaß ihres Wesens und ihres Weges als Kräfte, die auch darin miteinander verwandt sind, daß sie jenseits unseres Verstehens liegen. 143