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Der Morgen · 1927-04-01 · Heft 1 (April 1927) · p. 117

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Journal
Der Morgen
Volume
3 (1927-1928)
Issue
Heft 1 (April 1927)
Article
Gaspar da Gama
Date
1927-04-01
Page
117 (sequence 4)
Language
German
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Gaspar da Gama ist von seinem Judentum keine Rede, im Gegenteil, es wird so dargestellt, als ob er beanspruchte, Christ zu sein. Das ist aber vollkommen natürlich. Ist es angesichts des Loses, welches die Juden auf der iberischen Halbinsel erlitten, überhaupt wahrscheinlich, daß ein Neuangekommener sein Judentum offenbart hätte? Wir dürfen daraus schließen, daß ihn sein Äußeres nicht verriet, oder es kann auch sein, daß gerade seine Gesichtszüge den Argwohn der Portugiesen weckten. Jedenfalls mißlang der kühne Streich. Nicht die portugiesische Flotte wurde weggenommen, er selbst wurde gefangen. In dem Bericht des Leonardo da Ma'Masser finden wir seinen späteren Namen, Gaspar, und können ihn der Bequemlichkeit halber weiterhin so nennen. Beschrieben wird er als „Deutscher, Jude, der später Mohr wurde". Wie im Logbuch, redet Gaspar die Europäer auf italienisch an. Leonardo berichtet von den grausigen an Gaspar verübten Folterqualen, unter denen er Christ wurde, und es würde uns schlecht anstehen, ihn deswegen hart zu beurteilen. Wir erfahren auch, daß er im Dienste des Königs von Kalikut Mohr gewesen sei und Muhammad geheißen habe. Der Bericht in den L e n d a s macht ihn zu einem „Granadischen Juden, der bei der Einnahme Granadas sehr jung war und nach der "Vertreibung aus seinem Vaterlande viele Länder durchzog, bis er nach der Türkei kam und nach Mekka ging. Von hier zog er weiter nach Indien und wurde der Admiral des Herrschers von Goa". Er hatte einen weißen Vollbart und soll ko Jahre in Indien gewesen sein. Doch dieser Bericht kann nicht richtig sein. Correa, der Verfasser, macht Gaspar zu einem alten Manne, weil er erklärte, die Einnahme Granadas miterlebt zu haben. Daß dies unmöglich ist, wird später erörtert werden. Es muß bemerkt werden, daß der Historiker Barros Gaspar „einen Juden von polnischer Abkunft" nennt, und ihn über sein früheres Leben berichten läßt, „der polnische König habe im Jakre i£5o in seinem ganzen Reiche allen Juden befohlen, innerhalb 3o Tagen Christen zu werden oder sein Reich zu verlassen; wer nach diesem Endtermin noch gefunden werde, solle verbrannt werden. Die Folge sei gewesen, daß die Mehrzahl der Juden außer Landes ging; zu den Auswanderern hätten seine Eltern gehört, Einwohner einer Stadt namens Bosna. Sie seien nach Jerusalem gekommen, von dort nach Alexandria, wo er geboren sei; älter geworden, wäre er Jahre lang umhergewandert und endlich nach Indien gekommen". Es können hier nicht sämtliche Berichte der zeitgenössischen Historiker angeführt und geprüft werden. Nur einige hauptsächlichen Behauptungen seien hier wiedergegeben, so die von Sernigi (i/ii3), Amerigo Vespucci (i5oi). Correa, Lendas (i5i2—1566), Leonardo Da la Masser (i5oß), Barros (vor i552), Goes (i5oi bis 73), Castanheda (i528—52). Der Mann war Jude. Darüber kann kein Zweifel sein. Die Angabe fehlt nur im Logbuch und in Vespuccis Briefe. Gaspars Judentum war nicht gleich bekannt, obgleich er sehr bald gefoltert und sein Judentum somit offenbar wurde. Trotzdem spricht das Logbuch weder von seinem Namen noch von seiner späteren Taufe; nur Tagesvorkommnisse werden als solche eingetragen. Die Nichterwähnung von Gaspars Judentum und von seiner Bezeichnung als „Mohr" lassen sich erklären. Vespuccis 117

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