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Der Morgen · 1927-04-01 · Heft 1 (April 1927) · p. 116

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
3 (1927-1928)
Issue
Heft 1 (April 1927)
Article
Gaspar da Gama
Date
1927-04-01
Page
116 (sequence 3)
Language
German
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Herbert Loewe habe ihm daher befohlen, uns zu sagen wir könnten alles, was uns in seinem Lande genehm wäre, haben, auch Schiffe und Vorräte; und er würde sich sehr freuen, wenn wir dauernd dort zu bleiben wünschten. Als der Kapitän ihm für diese Anerbietungen, die ihm ehrlich gemeint schienen, herzlich gedankt hatte, erbat er sich als Beweis seiner besonderen Gunst einen Käse; den wolle er zu einem darauf dem Festlande gebliebenen Gefährten bringen als Zeichen, daß Alles gut verlaufen sei. Der Kapitän ließ ihm einen Käse und zwei Brote aushändigen. Er blieb auf der Insel, plauderte aber so viel und über so Vielerlei, daß er sich gelegentlich widersprach. Inzwischen hatte Paulo da Gama (Vascos Bruder) die indischen Begleiter dieses Gastes aufgesucht und gefragt, wer er sei. Sie nannten ihn einen Seeräuber, der gekommen sei uns anzugreifen; seine starkbemannten Schiffe wären auf der Küste geblieben. So unterrichtet und das Übrige vermutend, nahmen wir ihn fest, brachten ihn auf das am Strande liegende Schiff und verprügelten ihn, damit er bekennen solle, ob er wirklich ein Seeräuber sei oder zu welchem Zweck er zu uns gekommen sei. Darauf erklärte er uns, er wisse ganz gut, daß das ganze Land uns feindlich gesinnt und zahlreiche Bewaffnete ringsherum in den Buchten versteckt lägen, zurzeit aber würden sie keinen Angriff wagen, weil sie etwa 4o Schiffe erwarteten, die zu unserer Verfolgung eben ausgerüstet wurden. Er fügte hinzu, daß er nicht wisse, wann sie zum Angriff fertig sein würden. Über sich selbst blieb er bei seinen ersten Aussagen. Er wurde dann drei- bis viermal verhört (d. h. gefoltert), und wenn er es auch nicht bestimmt sagte, schlössen wir doch aus seinen Gesten, daß er nicht nur gekommen war, um die Schiffe zu sehen; er wollte wissen, was für Leute wir waren und wie bewaffnet.... Nachdem unsere Schiffe kalfatert waren fuhren wir ab; das war am Freitag, 5. Oktober. Nach einer Fahrt von ungefähr aoo Meilen erklärte der mitgenommene Mohr, die Verstellung sei jetzt zwecklos. Tatsächlich hätte er im Hause seines Herrn gehört, daß wir uns auf der Küstenfahrt verirrt hätten und den Rückweg nicht finden könnten; deswegen seien viele Schiffe abgeschickt, um uns aufzubringen; er hätte von seinem Herrn den Auftrag erhalten, ausfindig zu machen, was wir trieben und uns in sein Land zu locken; denn hätte ein Freibeuter uns gefaßt, so würde er keinen Anteil an der Beute erhallen haben; wären wir aber innerhalb seines Gebietes gelandet, so wären wir völlig in seiner Gewalt gewesen und er hätte so tapfere Männer in seinen Kriegen mit den benachbarten Königen verwenden können." Dieser Bericht ist dem Logbuch da Gamas entnommen, das täglich von einem Mann der Besatzung geführt wurde. Der Bericht hat den Vorzug, von einem Augenzeugen verfaßt zu sein und ist ziemlich genau und zuverlässig, hat jedoch den Nachteil, daß der Schreiber nur erste Eindrücke niederschreiben konnte; später erlangte Auskunft wurde nicht hinzugefügt. So erklären sich manche Lücken in der Geschichte, die wir nur durch Benutzung späterer Quellen ausfüllen können; und sie erweitern in wesentlichem unser Wissen. Eine Tatsache aber, die von besonderer Bedeutung ist, bleibt uns völlig unbekannt: der ursprüngliche Name des Helden dieses Abenteuers. Kein Historiker verzeichnet ihn. In diesem ersten Bericht 116

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