Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- Heft 1 (April 1927)
- Article
- Gaspar da Gama
- Date
- 1927-04-01
- Page
- 115 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Herbert Loewe: Gaspar da Gama „ihr Glück in der Fremde suchen" sollten. Sie betraten zuerst den feindlichen Boden: blieben sie am Leben, gut und schön; gingen sie zugrunde, so gab es eben nur einen Juden weniger. Um die Laufbahn des ungenannten Mannes, dessen spätere Bezeichnung wir als Ueberschrift wählen, zu schildern, müssen wir dem großen portugiesischen Admiral "Vasco da Gama auf seiner Fahrt von Lissabon nach Indien folgen. Vasco da Gama verließ den Tago am 29. Juli J^97- — *n demselben Jahre würden 20 000 Juden in Lissabon getauft. Am 20. Mai 1498 erreichte Vasco da Gama Kalikut an der Malabarküste. Als erster betrat das Land Joao Nunez (oder Martinez), ein Jude, ein „Degradierter", dessen Mut und sprachliche Begabung im Logbuch (Rotezo) rühmend erwähnt werden. Er wurde offenbar von einem Glaubensgenossen, mit den Worten begrüßt: „Hol dich der Teufel! Was hat dich hierher gebracht?" Von Kalikut fuhr da Gama weiter nach Cochin, nach Kräften bemüht, möglichst viel Schaden anzurichten. Von Kappat, acht Meilen nördlich von Cochin segelte er am 29. August weg und verwendete einen Teil des Septembers auf die Wiederinstandsetzung und das Kielholen seiner Schiffe auf den Anjadiva-lnseln, zwischen Goa und Hunawar. Hier stoßen wir zuerst auf den Helden unserer Geschichte. Die portugiesischen Schiffe waren auf dem Strande gedockt, und die Mannschaften arbeiteten angestrengt, erlahmten auch in der tropischen Sonne nicht, denn ein Doppeltes trieb sie mächtig an: einmal die Furcht, sie möchten in der augenblicklich jammervollen Lage, wo jeder Widerstand schwierig, jede Flucht unmöglich war, angegriffen werden; dann aber der Gedanke an die Heimreise. Unter diesen Umständen verdoppelten sie ihre Wachsamkeit und waren mistrauisch gegen Fremde. Portugiesische Methoden gegen Eingeborne waren tierisch roh und Unberufene hielten sich in achtungsvoller Entfernung. Trotzdem näherte sich ein kleines indisches Boot (Fusta). Heraus trat ein kräftiger, etwa Aojähriger Mann, der in Leinen gekleidet war und ein Schwert trug. Die Kleidung verriet, daß er kein geborner Inder war, und seine ersten Worte ließen eine Vertrautheit mit europäischen Sprachen erkennen, wie sie nur durch Geburt oder längeren Aufenthalt in den betreffenden Sprachgebieten erworben werden kann. Das Schiff des Admirals wurde gerade kalfatert, und der Fremdling ersuchte, zum Admiral geführt zu werden. Seine zuerst auf italienisch, dann auf spanisch gesprochenen Worte überraschten außerordentlich und der Sprecher wurde von da Gama vorgelassen. Hier können wir die Geschichte in den Worten eines zeitgenössischen Schriftstellers fortsetzen: „Gleich nach seiner Landung umarmte er den . Oberkapitän und die Kapitäne und sagte, er sei ein Christ aus dem Westen, der in jungen Jahren nach diesem Lande gekommen sei; jetzt stehe er im Dienste eines maurischen Herrn (des Sabajo oder Gouverneurs von Goa), der 4oooo Reiter aufbringen könne; er sei auch Maure geworden, doch im Herzen Christ geblieben. Er sei bei einem Herrn in Kalikut gewesen als die Ankunft von Männern gemeldet wurde, deren Sprache Niemand verstände und die völlig bekleidet wären. Da habe er alsbald erklärt, die Fremdlinge müßten „Franken" sein; denn unter diesem Namen sind wir (Europäer) in diesen Gegenden bekannt. Er bat dann seinen Herrn uns besuchen zu dürfen, er würde sonst vor Kummer sterben. Sein Herr 8* 115