Mannheim
Compact Memory

Der Morgen · 1927-04-01 · Heft 1 (April 1927) · p. 114

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
3 (1927-1928)
Issue
Heft 1 (April 1927)
Article
Gaspar da Gama
Date
1927-04-01
Page
114 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2895450-2895467-2895469-2897651--01806-2897789
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Gaspar da Cama Von Herbert Loewe1) Die Rolle, die Juden als Reisende, Pioniere und Forscher in den geheimnisvollen Ländern „irgendwo östlich von Suez" gespielt haben, ist von Keyserling und anderen Gelehrten beschrieben worden. Manches aber bleibt noch zu erforschen, ehe ein einheitliches Bild entstehen wird. Die vorliegende bescheidene Studie macht den Versuch, einige Tatsachen zu sammeln, die vielleicht nicht allgemein zugänglich sind. Sie gibt uns ein Bild von einem der seltsamsten Charaktere, auf die die Bezeichnung „Ahasver" paßt. Selbst sein Name bleibt vergessen, Zeit und Ursache seines Todes strittig. Und dennoch ist der Mann, mit dem wir es hier zu tun haben, einer der hervorragendsten Männer seiner Zeit gewesen. Er, der namenlose Jude aus Posen, erscheint plötzlich auf der Bühne, Niemand hat ihn eingeführt, Jeder staunt über seinen Wagemut. Er will auf eigene Faust eine portugiesische Flotte kapern. Später ist er dann von einem König zu Rate gezogen, von einem andern zum Ritter geschlagen worden. Die bedeutendsten Europäer hielten es für eine Ehre, mit ihm zu verkehren. Er war so berühmt, daß es dem Lotsen, der der Neuen Welt seinen Namen gegeben, der Mühe wert schien auf seiner Fahrt über den Atlantischen Ozean innezuhalten; er wollte den deutschen Juden aus einem polnischen Ghetto treffen und als Schüler bescheiden zu seinen Füßen sitzen. Der vorliegende Zeitabschnitt ist sehr ereignisreich. Europa erwacht eben aus dem mittelalterlichen Schlafe; es nahte die Morgenröte der Renaissance. Aus dem inneren Drang nach Erforschung und nationaler Ausdehnung schickte man schon Flotten nach Osten und nach Westen; an jenen großen Unternehmungen hatten Juden einen nennenswerten Anteil. Ein jüdischer Flickschuster brachte die Kunde von den Schätzen Indiens und dem Weg nach Indien zu dem König von Portugal. Jüdische Wissenschaftler erfanden und vervollkommneten Seekarten und Instrumente für die Schiffahrt, und unter den Pionieren sind die Juden die tüchtigsten, denn die portugiesischen Admirale nahmen auf ihren Fahrten gewisse Juden mit, die „Degradierte" hießen, weil sie wegen ihres Festhaltens am Glauben der Väter aus der Heimat verbannt waren und x) Der Verfasser wird demnächst eine „Geschichte der Juden in Indien" veröffentlichen. Die vorliegende Arbeit ist die verkürzte Wiedergabe eines Kapitels. 114

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.