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Der Morgen · 1927-04-01 · Heft 1 (April 1927) · p. 112

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
3 (1927-1928)
Issue
Heft 1 (April 1927)
Article
Die Juden in der Textilindustrie
Date
1927-04-01
Page
112 (sequence 14)
Language
German
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Ernst Landsberg Damenwäschefabrikanten mit zusammen etwa 200 Firmen sind fast ausschließlich jüdisch, ebenso rund 200 Schürzen-, Unterrock- und Kittelfabrikanten. Für die etwa 4o Unternehmungen der konfektionierten Weißwaren und die 110 Krawattenfabrikanten gilt dasselbe. Ausnahmen bilden lediglich die Wirkwaren, die keine besondere Konfektionierung mehr erfordern und die meist aus Sachsen oder Württemberg von, schätzungsweise nur zu einem Viertel jüdischen, Firmen fabriziert werden. Bei Handschuhen ist es derart, daß gewirkte Handschuhe meist von nichtjüdischen, hingegen Lederhandschuhe wie überhaupt fast die ganze Leder- und Rauchwarenkonfektion von jüdischen Firmen stammen. Die Schuhindustrie umfaßt etwa i5oo Betriebe. Insbesondere Damenstiefel werden bekanntlich von den zahlreich vertretenen jüdischen Fabrikanten angefertigt Auch die Kopfbekleidungsindustrie ist ein Gewerbe, dessen Umfang meist unterschätzt wird. Die seit 5—6 Jahrzehnten existierenden Zweige der Mützen- und die Hüteindustrie umfassen über 200 Firmen und sind vorwiegend in jüdischen Händen. Der ältere Zweig der Stroh- und Damenhutindustrie, der jetzt etwa i5o Jahre besteht, ist ebenso wie die anderen Sparten bei und in Großstädten vertreten, hat sich aber speziell in Lindenberg (Allgäu) entwickelt, wo sich auch einige nichtjüdische Firmen befinden. Eine konfessionelle Berufsstatistik liegt mir leider nicht vor. Immerhin ergibt sich aus den genannten Ziffern, daß mit über 3oooo jüdischen Geschäftsinhabern in der Textilbranche zu rechnen ist Nach der Gewerbestatistik sind im allgemeinen zwei Drittel aller Männer erwerbstätig. Das macht also bei 600000 jüdischen Einwohnern in Deutschland rund 200000. Die otige Ziffer beträgt i5 Prozent davon. Von den Nebenindustrien ist noch folgendes zu erwähnen: Hosenträger verzeichnen ein Viertel bis ein Drittel, Sockenhalter fast die Hälfte, Knopffabriken wenige, künstliche Blumen etwa ein Drittel, Knopfhandel meist, Kragenschoner- und Krawattenindustrie meist, Schirme in Berlin und im Osten vorwiegend jüdische Firmen. (Krawattenstoffe hingegen zu den Seidenwebereien gehörig 1) Schließlich soll auch an dieser Stelle nicht vergessen werden, auf die unerfreulichen Seiten des Textilhandels hinzuweisen. Mehrere Konzerngebilde unter jüdischer Leitung, die sich allzu leichtsinnig ausbreiteten, sind zusammengebrochen. Die Handels- und Fabrikationsgruppen Wilhelm Kaufmann Akt-Ges. in Dresden und die Martins & Bloch Akt-Ges. in Kamburg tt2

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