Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- Heft 1 (April 1927)
- Article
- Die Juden in der Textilindustrie
- Date
- 1927-04-01
- Page
- 113 (sequence 15)
- Language
- German
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Die Juden in der Textilindustrie gingen beispielsweise in Konkurs- Der Teppichkonzern Ludwig Ganz Akt-Ges. in Mainz, die Gruppe der Akt-Ges. Lichtenberger Wollfabrik und andere mußten scharf saniert werden. Viele Textilhandels- und Bekleidungshäuser sind ferner in den letzten Jahren infolge von Preisbewegungen auf dem Baumwolimarkt oder überraschenden Veränderungen der Mode zu Fall gekommen. Dieses Risiko ist der Bekleidungsindustrie mit der Börse gemeinsam. Gegenüber der Einflußlosigkeit der vielen Einzelschneider auf die Gestaltung der Mode ist die Initiative der deutschen Bekleidungsfirmen und, wie eingangs bereits ausgeführt, ihre Fühlung zu den ästhetisch maßgebenden Kreisen heute von großem Wert, weil so die Mode gewiß nicht mehr ganz einseitig von Paris aus beherrscht wird. Zwar wendet sich die Konfektion auch weiterhin an diesen Platz, um die neuesten Muster mitzunehmen und die aussichtsreichsten davon zu verarbeiten. Außerdem leistet sie aber in den einzelnen Ländern viel an der weiteren Ausgestaltung der maßgebenden Schnitte, Farbenzusammenstellungen usw. Beispielsweise sind die hellfarbigen Schuhe und die glänzenden kunstseidenen Strümpfe in Deutschland verbreiteter als in Frankreich, weil dort noch nicht soviel Kunstseide fabriziert wird. Diese Initiative der inländischen Bekleidungsindustrie kann künftig auch für die deutsche Spinnweberei insofern von Bedeutung sein, als diese dann durch ihre finanziellen Beziehungen zur Konfektion selbst zu einer etwas aktiveren Rolle befähigt und nicht mehr ganz zu passiver Abhängigkeit von Paris verurteilt ist 8 113