Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- Heft 1 (April 1927)
- Article
- Die Juden in der Textilindustrie
- Date
- 1927-04-01
- Page
- 103 (sequence 5)
- Language
- German
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Die Juden in der Textilindustrie Seidenplüschfabrik. Die nach Berlin ausgewanderten Franzosen waren zum Teil auf demselben Gebiete tatig, konnten sich aber finanziell nur selten halten. Hirsch David wurde noch dadurch gestützt, daß außerhalb der Städte Berlin und Frankfurt a. O. von den Juden nur Potsdamer Samt gehandelt werden durfte. Friedrich der Große führte die Protektionspolitik im allgemeinen fort, zog außerdem noch viele französische Seidenarbeiter aus Lyon usw. ins Land, stützte aber auch nichtjüdische deutsche Fabrikanten, insbesondere einen Konkurrenten von Hirsch. Der Handel war meist mit den neuen Fabriken nicht einverstanden, obwohl noch mehrere jüdische Manufakturen gegründet werden durften, teils von Handelsfirmen wie Bernhard Isaac, Moses Ries, Jeremias Baron, Moses Ulff, Baruch Aron. Die Differenzen führten 1750 zu einem Verbote des Seidenhandels, das die Juden mit Ausnahme von Ephraim & Sohne, einiger Verleger und Fabrikanten betraf. Gegen Zahlung einer Summe wurde der Handel wieder freigegeben. Doch verkauften die Juden auch später durchweg 5 bis 6 Prozent billiger als die mit zu hohen Unkosten belasteten Berliner Fabriken. Bis 1768 (nach dem siebenjährigen Kriege) gingen die meisten Berliner Textilfabriken, — erst die französischen, dann die jüdischen, — wieder ein, obwohl königliche Protektion den Stillstand der Werke zu vermeiden suchte. In den folgenden Jahrzehnten ist es dabei geblieben, daß Berlin mehr Textilhandelsals Fabrikationsplatz war. Inzwischen hatte der Westen eine starke Regsamkeit auf dem Gebiete der Textilindustrie entfaltet. Flandern und Nordfrankreich blieben weiterhin bedeutende Gebiete der Tuchfabrikation, die auch nach Deutschland (Aachen, Düren, Wuppertal und M. Gladbach-Rheydt) hinübergriffen. In Krefeld wurden von katholischen Familien im 18. Jahrhundert erfolgreicher als in Berlin Seiden fabriken eingerichtet Ihrer günstigen Entwicklung ist es auch zu verdanken, daß man in Berlin keine weiteren Textilfabriken künstlich züchtete. (Vgl. Hintze, Die preußische Seidenindustrie im 18. Jahrhundert, aus den Acta Borussica.) Abgesehen von den sehr armen altpreußischen Gebieten, die erst durch die Politik der preußischen Könige in die Lage versetzt worden sind, gewisse Industriezweige mühsam zum Wachsen zu bringen, zeigt Deutschland eine Reihe von Plätzen, an denen sich die Textilindustrie mit durchweg nur geringer jüdischer Beteiligung entweder in einer größeren Anzahl von Kleinbetrieben, oder in Verlagen mit Heimarbeitssystem oder stellenweise auch in größeren Manufakturen entwickelte. An bestimmten Orten mit jüdischen An- 103