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Der Morgen · 1927-04-01 · Heft 1 (April 1927) · p. 102

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Journal
Der Morgen
Volume
3 (1927-1928)
Issue
Heft 1 (April 1927)
Article
Die Juden in der Textilindustrie
Date
1927-04-01
Page
102 (sequence 4)
Language
German
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Ernst Landsberg beispielsweise zur Zeit Karls des Großen Tuchweberei und -handel in friesischen Händen. An Expeditionen nach dem Orient beteiligten sich damals wegen ihrer Länder- und Sprachkunde einige Schutzjuden, so bei dem Geschenkaustausch zwischen Karl dem Großen und Harun al Raschid. Während der Blüte des italienischen Handels (Venedig, Florenz) entwickelte sich ein lebhafter Verkehr namentlich über Westdeutschland und Flandern, wobei die flandrischen Tuche eine Hauptrolle spielten. Der um diese Zeit aufkommende Levantehandel soll vorwiegend in arabischen Händen gelegen haben und stützte sich auch in der Hauptsache auf Textilien wie Baumwoll- und Seidenstoffe (Atlas, Damast), Brokat, Baldachine, Teppiche, Kamelotte, ferner auf Edelsteine, Drogen und Gewürze. Durch seine vielfältigen Beziehungen ist damals gewiß auch das fest ansässige Judentum Deutschlands für den Handel mit ausländischen Seiden- und Wollwaren besonders befähigt gewesen. Neben den Versuchen der unzünftigen Handwerksbetätigung seitens der Juden war auch dieser Handel eine Ursache für die verhängnisvollen Konflikte mit den Zünften, bei denen die deutschen Juden durch Pogrome dezimiert und wirtschaftlich vorübergehend zu Boden geworfen wurden. Die nach dem Osten ausgewanderten Juden konnten indessen als Handwerker tätig sein, und sind deshalb bis auf den heutigen Tag in sämtlichen städtischen Berufsschichten vertreten, neuerdings auch in der Landwirtschaft Der wirtschaftliche Zusammenbruch Deutschlands infolge des dreißigjährigen Krieges veranlaßte zahlreiche Fürsten, sich nach Personen umzusehen, die das Wirtschaftsleben energisch wieder in Gang bringen sollten. Der Große Kurfürst und seine Nachfolger zogen Refugies aus Frankreich und jüdische Textil- und Finanzleute heran, die dann um die Wende des 17. und 18. Jahrhunderts in Berlin und Potsdam mehrere Textilfabriken errichteten. Versuche mit deutschen Fabrikanten waren um 1670 nicht geglückt Auch in dieser Zeit hatten die Juden, die damals wenigstens in Ostdeutschland schon fast ausschließlich den Textilhandel beherrschten, fortwährend Differenzen mit den Zünften, unter anderm in der Gold- und Silberperlenstickerei, wo sie eigene Betriebe oder Verlage eröffneten. Im einzelnen erhielt 1703 ein Salomon Isaac die Konzession für eine Stickereimanufaktur in Berlin, 1729 ein Adler die königliche Unterstützung für den Bau einer Halbseidenfabrik in-Königsberg, 1730 Hirsch David Subventionen für eine Samtmanufaktur in Potsdam, bald darauf auch für eine Woll- und 102

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