Mannheim
Compact Memory

Der Morgen · 1927-04-01 · Heft 1 (April 1927) · p. 104

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
3 (1927-1928)
Issue
Heft 1 (April 1927)
Article
Die Juden in der Textilindustrie
Date
1927-04-01
Page
104 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2895450-2895467-2895469-2897650--01795-2897779
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Ernst Landsberg Siedlungen findet man allerdings vorwiegend jüdische Betriebe, so in und bei Stuttgart (Uhingen, Göppingen, Untertürkheim), in Bocholt und in Landeshut (Schles.). Einige andere Textilplätze waren dafür völlig nichtjüdisch. Im Handel entwickelten sich insbesondere die jüdischen Kolonien von Frankfurt a. M., Leipzig und Breslau- Leipzig wurde zur Zentrale des innerdeutschen Fell-, Pelz- und Rohwollhandels. Seit dem Rückgang der deutschen Schafzucht Mitte des vorigen Jahrhunderts sind es teilweise auch jüdische Rohwollhändler, die als Exporteure in Frage kommen, etwas mehr noch als im Rohbaumwollimport, der fast ausschließlich in hanseatischen Händen liegt Insbesondere werden die als Rohmaterial wieder verwertbaren Woll- und Baumwollabfälle von jüdischen Händlern vertrieben. Mehrere innerdeutsche Wollwäschereien (Mosbacher-Kassel und Ostpreußische Dampfwollwäscherei in Insterburg) befinden sich in jüdischem Besitz, die größeren hanseatischen Betriebe jedoch in nichtjüdischem. Die Einführung des maschinellen Betriebes in der deutschen Textilindustrie in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts brachte finanziell nicht die Folgen, die man vielleicht hätte erwarten können. Vielerorts wurden die Einzelweber zwar ruiniert Trotzdem haben sie sich an einigen Stellen noch bis heute halten können. Die größeren Betriebe reorganisierten sich durch Aufstellung von Maschinen. Außerdem gab es viele Neugründungen. Eine Verschiebung des Einflusses von jüdischen und christlichen Unternehmern ist in jener Zeit kaum festzustellen. Selbst im Betriebe tätig waren in Deutschland immer nur wenig Juden, und dann in Spezialgebieten. Der Osten verhielt sich darin anders. Von dorther sind viele Bekleidungsarbeiter und Schneider nach Berlin und später nach London und Newyork gekommen. Sie haben die dortigen Bekleidungsindustrien aufgebaut Von 1899 bis 1910 waren 185 000 von 590 000 nach den Vereinigten Staaten ausgewanderte Juden Schneider von Beruf (vergL L. Hersch: Le Juif Errant, Giard-Paris). Im großen und ganzen erkennt man aus den angegebenen geschichtlichen Vorgängen, die wegen der Verstreutheit des Materials, soweit solches überhaupt gedruckt vorliegt, nur recht bruchstückweise wiedergegeben werden konnten, daß sich das Hauptgewicht des jüdischen Einflusses auf Handel und Bekleidungsindustrie erstreckt Die Industrie weist nur einen kleineren Anteil jüdischer Fabrikanten auf. Im einzelnen sind die Verhältnisse sehr verschieden. Nur stellenweise können vage Schätzungen vorgenommen werden, 104

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.