Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- Heft 1 (April 1927)
- Article
- Die Beteiligung der Juden an der deutschen Eisen- und Metallwirtschaft
- Date
- 1927-04-01
- Page
- 90 (sequence 5)
- Language
- German
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Gerhardt Buer liegen seine Geschäfte und seine samtlichen Verbindungen stets einem Lieferanten offen, der zugleich sein Konkurrent ist Oft genug macht der Werkshandel sich diese Kenntnis zunutze. Gerade den wenigen größeren jüdischen Firmen ist es vorgekommen, daß Vertreter des Werkshandels ihren Geschäftsfreunden die Frage stellten, weshalb sie bei dem Juden kauften, der ja selber auf den Werkshandel angewiesen sei Der Eisenhandel steht heute in solchem Maße unter der Kontrolle der Industrie, daß auch die in ihm vertretenen jüdischen Firmen, weit entfernt, irgend ein Herrschaftsstreben zu zeigen, ihrerseits immer mehr in die Botmäßigkeit der Schwerindustrie gelangen. Wohl konnte eine ganz geringe Zahl von freien Händlern, unter denen sich auch einige Juden befanden, es erreichen, bei der Klassifizierung der Händler wenigstens für gewisse Produkte dem Werkshandel gleichgestellt zu werden, und einige Firmen konnten noch, gestützt auf die wenigen für den Verkauf nicht streng syndiziierten Eisenerzeugnisse, ihre Selbständigkeit behaupten. Das Gesamtbild ist demnach derart, daß der Gedanke an eine jüdische Vorherrschaft oder auch nur an einen nennenswerten jüdischen Einfluß im Eisenhandel heute scho n als ebenso unsinnig bezeichnet werden muß wie der an eine jüdische Macht in der Industrie selbst Eine ähnliche Entwicklung hat sich in letzter Zeit auch im Schrotthandel vollzogen, der den wichtigsten Zuflußkanal für den Rohstoffbedarf der Eisenindustrie darstellt In dem Maße, in dem die Rohstahlerzeugung an Bedeutung über die Produktion von Roheisen hinausgewachsen ist, hat auch die Bedeutung des Alteisens als Rohmaterial der Schwerindustrie zugenommen. Die Aufstellung von Schrott verbrauchenden Siemens-Martin- Stahlöfen gewann in der deutschen Eisenindustrie umsomehr an Verbreitung, als Deutschland durch den Versailler Vertrag mit den lothringischen Minettevorkommen den weitaus überwiegenden Teil seines Besitzes an Eisenerzen verloren hat Schließlich mußte auch die seit Jahren und noch auf Jahre hinaus mit Sicherheit steigende Menge des Alteisenentfalls der Schrottwirtschaft erhöhte Bedeutung verleihen. Trotzdem hat der Schrotthandel an Selbständigkeit und Wirtschaftsmacht mehr und mehr eingebüßt, und die Entwicklung führt in paralleler Webe, fast ganz wie beim Eisenhandel, zu einem Rückgang der Zahl und der Position jüdischer Firmen in der Branche. 90