Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- Heft 1 (April 1927)
- Article
- Die Beteiligung der Juden an der deutschen Eisen- und Metallwirtschaft
- Date
- 1927-04-01
- Page
- 88 (sequence 3)
- Language
- German
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Gerhardt Buer Auch im Eisenhandel war die Stellung jüdischer Firmen niemals überragend, wenn auch hier die Arbeitsmöglichkeiten und die Erfolgsaossichten für Juden naturgemäß bessere waren. Der Handel war ja in den Zeiten des Feudalgrundbesilzes und der zunftmäßigen Exklusivität des Handwerks der einzige dem Juden praktisch zugängliche Erwerbszweig. In Jahrhunderten wurde so eine Tradition geschaffen, die auch nach dem formellen Ende dieser Beschränkung das deutsche Judentum von den Wirtschaftsphären abschloß, aus denen die Industrie zunächst erwachsen müßte. Das Wort vom jüdischen Handelsgeist scheint, historisch gesehen, nicht viel mehr zu besagen, als die Volksweisheit, daß der Teufel in der Not Fliegen frißt. Man kann indessen bereits die deutliche Beobachtung machen, daß die Neigung, von der Handelssphäre in andern Wirtschaftssphären, sei es Industrie, sei es Rechtsberatung oder selbst Landwirtschaft überzugehen, bei den deutschen Juden in dem Maße zunimmt, in dem sie sich vom Mittelater und nachmittelalterlichen Zuständen entfernen. Wenn der Einfluß jüdischer Firmen im deutschen Eisenhandel, nachdem er niemals ausschlaggebende Bedeutung erlangen konnte, gerade in letzter Zeit noch erheblich zurückgegangen ist und heute als recht unerheblich bezeichnet werden kann, so sind hierfür jedoch noch besondere Gründe maßgebend. Mit den außerordentlichen Fortschrilten der industriellen Konzentration ist im Eisengewerbe eine fortlaufende Schwächung der wirtschaftlichen Position und der Einkommensverhältnisse der reinen Handelsfirmen erfolgt Der freie Händler ist von den industriellen Verkaufsverbänden sowie von den Handelsorganisationen der Werke mit ihrem großen Absatzapparaten und Lagerbeständen entthront und zu einer Funktion zweiter Klasse herabgedrückt worden. Die Werke gingen dazu über, sich eigene Handelsfirmen anzugliedern, mit denen sie dem freien Handel eine unerträgliche Konkurrenz zu machen in der Lage waren. Zwar waren ihre Unkosten meist erheblich größer als die irgend einer selbständigen Handelsfirma, doch verlohnte es sich oft, den Handelsgewinn auf diese Weise zu schmälern, ihn aber doch selbst einzustecken. Auch wo sich zunächst das nicht einmal lohnte — und das war wohl die Mehrzahl der Fälle — wurde das Werkshandelssystem prinzipiell durchgeführt, denn man konnte sich auch einen kostspieligen Konkurrenzkampf in der Sicherheit leisten, daß der freie Handel schließlich kapitalmäßig der Schwächere war und dem Werkshandel das Feld räumen mußte. Die Spesen hat schließlich der Konsument zu bezahlen. Gerne erwarb man als Werkshandlung 88