Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- Heft 1 (April 1927)
- Article
- Die Beteiligung der Juden an der deutschen Eisen- und Metallwirtschaft
- Date
- 1927-04-01
- Page
- 87 (sequence 2)
- Language
- German
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Gerhardt Buer: Die Beteiligung der Juden an der deutschen Eisen- und Metallwirtschaft punkte, und auch sie wurden zum größten Teil von den Industrieherzögen selbst ausgenutzt zu neuer Sicherung ihrer Position, zu weiteren Fortschritten der Konzentrationsbewegung benützt Einzig Otto Wolf, der übrigens, wie einem noch immer verbreiteten Irrtum gegenüber festgestellt sei, keineswegs Jude ist, konnte bei der Phönix-Aktiengesellschaft für Bergbau und Hüttenbetrieb einen Einbruch von nachhaltiger Bedeutung und größerem Ausmaß durchführen, doch ist es typisch, daß selbst diese außerordentlich potente und als Eisenhändler mit der Industrie vertraute Persönlichkeit seine industrielle Position beim Phönix nicht auszubauen und mit der Einbeziehung des Werkes in den Stahltrust seinen Einfluß auch nicht in dem bereits erreichten Maße zu erhalten vermochte. Auch Otto Wolf wurde bei dem Übergang vom Händler zum Industrielieh noch einmal zurückgeworfen und ist heute dabei, seine Position durch Zusammenarbeit mit der Stummgruppe im Saargebiet neu aufzubauen. Der zweite größere Einbruch in der Inflationszeit, oder vielmehr temporär der erste, gelang allerdings einem jüdischen Börsenmann, dem verstorbenen Berliner Bankier Hugo I. Herzfeld, der wohl der genialste Beherrscher der Börsentechnik bei Aktienaufkäufen und beim Pakethandel war, den die Berliner Börse bisher kennen gelernt hat Herzfeld hatte jedoch keinerlei schwerindustrielle Interessen und gab das von ihm aufgekaufte Paket Aktien des Bochumer Vereins für Gußstahlfabrikation unmittelbar an Hugo Stinnes weiter. Der einzige Jude, der einen Ansatz zur Bildung einer industriellen Machtposition im Ruhrgebiet zu zeigen schien, hat also lediglich — und das war die Absicht der Transaktion von vornherein — als Vermittler für eine der alten Industriefamilien gewirkt Wohl haben einige jüdische Handelsfirmen sich vereinzelt kleinere und auch mittlere Werke der Eisenindustrie anzugliedern vermocht Die Frankfurter Schrottgroßhandlung I. Adler jr. kontrolliert das Eisenhüttenwerk Thale im Harz gemeinsam mit dem Kölner Eisenhändler Albert Ottenheimer, der auch eine starke Minorität bei der Gußstahlwerke Witten A.-G. besitzt; doch überwiegen durchaus in beiden Fällen die Handelsinteressen, und von einer in irgendeiner Weise bedeutungsvollen Einflußnahme auf die Geschicke der Eisenindustrie im Ganzen gesehen, kann um der Besitzverhältnisse bei solchen kleineren Objekten willen nicht im entferntesten gesprochen werden. Das Gleiche gilt, wenn auch eingeschränkt, für die Firma Wolf Netter und Jacobi bei der heute der industrielle Besitz vielleicht den Handelsinteressen annähernd gleichwertig ist, vom Standpunkt der Gesamtindustrie gesehen jedoch ebenfalls keine erhebliche Rolle spielt 87