Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- Heft 1 (April 1927)
- Article
- Die Beteiligung der Juden an der deutschen Eisen- und Metallwirtschaft
- Date
- 1927-04-01
- Page
- 86 (sequence 1)
- Language
- German
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Die Beteiligung der Juden an der deutschen Eisen- und Metallwirtschaft Von Gerhardt Buer Der Einfluß jüdischer Unternehmer ist am geringsten in Landwirtschaft und Schwerindustrie, den beiden Produktionszweigen, die in der deutschen Wirtschaft ohne Zweifel die größten Kapitalien repräsentieren. Die Landwirtschaft und die auf dem Kohlenbergbau beruhende Schwerindustrie konnten sich nicht aus mobilem Kapital entwickeln, sondern waren von Anbeginn mit dem Immobiliarkapital, dem Landbesitz, verbunden. Weder unter den Vätern der deutschen Eisenindustrie noch unter ihren jüngeren Führern wird man jüdische Namen entdecken können, denn auch nach der Entwicklung zur Aktiengesellschaft und zur Finanzierung auf dem offenen Kapitalmarkt ist kaum in einem Industriezweige, so sehr wie in diesem, Tradition und Familienherrschaft erhalten geblieben. Die Krupp, die Thyssen, die Poensgen, die Haniel und die Waldmäusen regieren heute noch im Ruhrgebiet, und wo die alten Dynastien jüngeren Kräften weichen müssen, wie bei Stinnes und Kirdorf, sind die Nachfolger im Betriebe gewachsen, ausgewählt mit untrüglichem Instinkt für Gleichartigkeit der Tradition, des Werdeganges, der Interessen und des Milieus. Die Industrie ist längst zu fest in große Konzerne geschmiedet, längst zu sehr zum vorzüglichen Interessengebiet weniger Familien geworden, um unter normalen Umständen die Möglichkeit zu wirklich erfolgreichem Eindringen neuer Elemente, etwa von der Börse her, zu bieten. Selbst in der Inflationszeit, der Periode flüssigster Wertverhältnisse und ungeahnter Handelsmöglichkeiten, ergaben sich bei der Schwerindustrie relativ wenig Angriffs- 86