Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- Heft 1 (April 1927)
- Article
- Völkischer Antisemitismus
- Date
- 1927-04-01
- Page
- 81 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Irrtümer der Völkischen Solche erklügelten Naturalisten sind aber unsre heutigen Völkischen- Sie glauben, aus der Reflexion über das, was deutsch ist, das gleiche schaffen zu können, wie diejenigen, die aus gläubigem Herzen gestalteten. Der völkische Deutsche und der Volksdeutsche verhalten sich zur Vergangenheit wie Nachahmer zum Nachfolger. Dem Nachahmer gelten die äußeren Formen des überlieferten Werkes, dem Nachfolger nur der Geist, aus dem dieses Werk geschaffen. Der Nachahmer will die Vergangenheit konservieren, der Nachfolger will sie schöpferisch weiterführen aus den inneren Kräften der jeweiligen Gegenwart Beide leben von der Vergangenheit. Der Nachahmer von den Produkten ihres Geistes, der Nachfolger von dem Geiste ihrer Produkte. Der Nachahmer fragt: Gleicht das Gebilde der Gegenwart dem der Vergangenheit? Der Nachfolger fragt: Lebt in dem Gebilde der Gegenwart der gleiche Geist wagemutigen Glaubens, mit dem die Deutschen der Vergangenheit sich loswanden aus den Überlieferungen des Alten. Der völkische Deutsche spricht wie Stapel: Wir haben eine Art gewonnen. Kann man es uns verübeln, wenn wir uns dagegen wehren, in artfremde Bahnen gezwängt zu werden? Spricht so nicht immer die Angst der „Gipfeldürren", deren Kraft nicht mehr ausreicht, Neues zu schaffen und Neues zu verarbeiten. Spricht so nicht die Schwäche, die alles andrängend Neue als destruktiv bezeichnet, weil es in ihm nur das Niederreißende, nicht aber das Aufbauende empfinden kann? Kann man sich vorstellen, ein Mozart hätte einem Mendelssohn, ein Bruckner hätte einem Mahler Einhalt geboten mit den Worten: Wir haben jetzt eine deutsche Art der Musik, Du darfst daher nicht komponieren, sonst zwängst Du die deutsche Musik in artfremde Bahnen. Spricht so nicht der wahrhaft Undeutsche? Gewiß, es gibt eine deutsche Art!. Sie ist immer nur als recht unsicheres Ergebnis für rückschauende Erkenntnis feststellbar. Sie kann und darf aber nicht die Norm schaffender Gegenwart sein. Wer sie trotzdem zu einer solchen macht, der ist nicht Schöpfer, sondern uniformierter Schutz-Mann im Reiche des Geistes. Über das, was deutsche Art ist, werden zu jeder Zeit die Überzeugungen weit auseinandergehen. Wer aber die seinige als die allein maßgebende aufstellt, nach der alles geistige Schaffen hinzugestalten und zu beurteilen ist, der maßt sich eine Autorität der Rechtgläubigkeit an, die meisten durch die Sprache. Wir können uns immer nur das allgemein Gültige, an sich Rechte, Verständige zum Ziel unserer Bildung setzen. Die Natur ist es, welche der Bildung eine historische Grundlage gibt und das Besondere bestimmt, das nie gesucht, sondern nur gefunden werden muß." 6 8t