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Der Morgen · 1927-04-01 · Heft 1 (April 1927) · p. 80

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Journal
Der Morgen
Volume
3 (1927-1928)
Issue
Heft 1 (April 1927)
Article
Völkischer Antisemitismus
Date
1927-04-01
Page
80 (sequence 13)
Language
German
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Julius Goldstein zufällt, die jeweilige Wirklichkeit und also auch, das Volkstum zu formen, danu sinkt er zur Funktion der Natur herab, und sein Wert wird nicht mehr in seinem Inhalt gesehen, sondern nur noch in jener Färbung und Trübung, die, ob sie ihn auch liebenswert und rührend macht, doch nur aus seiner Verbindung mit der Natur stammt Alle religiösen Formen sind nun gleich wahr und gleich unwahr, sind nur Projektionen irgendwelcher naturhafter Kräfte. Jahwe, Wotan, Allah sind nur Götter, die sich nicht in ihrer Wahrheit und Wirklichkeit unterscheiden, sondern nur darin, daß sie Projektionen besonderer Völker oder Rassen sind. Darin besteht ihr Wert Daher is es unerträglich, daß eine Rasse, z. B. die nordische, den Gott einer anderen Rasse, der „semitischen" übernommen hat und an ihm festhält Jedem Volke gehöre sein eigener Gott Nietzsche sagt einmal, die nordischen Rassen sollten sich schämen, nach zwei Jahrtausenden noch keinen einzigen eigenen Gott hervorgebracht zu haben. Alles was heute in völkischen Kreisen gegen das Alte Testament und gegen den Gott der Offenbarung schmäht, tut es nicht aus einer tieferen religiösen Wahrheitserkenntnis, sondern aus der naturalistischen Voraussetzung, die Gottesvorstellung sei nur der religiöse Ausdruck der Instinkte eines Volkes. Stapel schreibt: „Der Jesus und die Maria der Deutschen sind Deutsche. Das zeigt uns sinnenfällig die deutsche Kunst, soweit sie aus gläubigem Herzen geboren wurde, und nicht erkünstelter und erklügelter Naturalismus ist" (p. 33.) Hier wird eine Tatsache festgestellt, die niemand anzweifelt Haben aber die deutschen Maler Jesus und Maria als Deutsche gemalt, weil sie es wollten? Haben sie es mit Bewußtsein getan? Haben sie etwa ein völkisches. Bewußtsein gehabt, das da forderte: Wir sind Deutsche. Jesus und Maria waren Juden. Wir aber wollen sie nur als Deutsche malen!—Sie haben aus der Unschuld ihres deutschen Seins geschaffen; Jesus und Maria hat sich in ihrer Natur anders gespiegelt als in der Natur der Italiener. Um den geistigen Gehalt dieser Persönlichkeiten war es ihnen zu tun, und er wird nicht berührt durch die Unzulänglichkeit der Völker und Menschen, ihn rein aufzufassen. Das deutsche Volkstum war nicht eine Norm ihres Schaffens, es war eine ihnen nicht weiter bewußte Selbstverständlichkeit Sie suchten Jesus, aber nicht den deutschen Jesus. Hätten sie diesen gesucht, sie hätten weder Jesus noch den deutschen Jesus gefunden. *) l) In einer längst vergessenen Schrift von F. W. Tittmann: „Blicke auf die Bildung unserer Zeit", aus dem Jahre i835, finde ich p. 27 folgende bemerkenswürdige Stelle: „Allein nach der Ausbildung nationaler Züge trachten, wäre vergeblich und Affektation, wie es auch Abwendung von dem Rechten ist. Das Nationale drängt sich von selbst in die Bildung ein, am 80

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