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Der Morgen · 1927-04-01 · Heft 1 (April 1927) · p. 73

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Journal
Der Morgen
Volume
3 (1927-1928)
Issue
Heft 1 (April 1927)
Article
Völkischer Antisemitismus
Date
1927-04-01
Page
73 (sequence 6)
Language
German
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Irrtümer der Völkischen deutscher Kunst dienen und deutsche Wissenschaft zu erhöhter Weltgeltung bringen. Sie zwängen sonst das deutsche Volkstum in „artfremde Bahnen". Was für ein armseliges Ding muß doch das deutsche Volkstum sein, daß es nur dann bestehen kann, wenn Männer wie Stapel, Dinter, Wulle und Gesinnungsgenossen das Wort führen, wenn nur so gedichtet und gedacht, gemeißelt und gezeichnet, gefühlt und gehandelt werden darf, daß diese Männer sagen können: Seht, das ist deutsch! Die Völkischen können genau angeben, was „deutsch" ist1) Es hat bei ihnen alles Hinströmend-Veränderliche, alles Zarte und Gleitende verloren; es ist nicht mehr ein Wort, an dem mau seine eigne Kleinheit demütig ermißt, es ist ein Wort des Hochmutes und des Selbstlobes geworden. In harten, scharf geschliffenen Kanten dient es als Waffe des Parteikampfes. Die Völkischen haben es zwar nicht dazu gemacht, sie haben aber den Mißbrauch am weitesten getrieben. Was bedeutet eigentlich „deutsch" als Parteiwort? Wir haben heute eine deutschnationale, eine deutschvölkische, eine deutsche VolksparteL Die Parteien haben einen Wettlauf um den Begriff „deutsch" begonnen. Wenn in Polen oder in der Tschechoslovakei eine Partei mit dem Namen deutschnational gegründet würde, man wüßte, was sie bedeutete. Wenn aber Deutsche eine deutsche Partei gründen — was soll das heißen? Kann es heißen: Unsre Partei will für Deutschland das Beste? Welche Partei will das nicht? Es ist das Eigentümliche der Rechtsparteien, daß man den Inhalt ihres politischen Willens nicht an dem Namen erkennen kann. Vor dem Kriege war es anders. Konservative Partei, Nationalliberale Partei: dabei konnte man sich etwas denken. Aber was besagt der Name der deutschen Volkspartei? Die Partei des deutschen Volkes? Welche Partei, mit Ausnahme vielleicht der kommunistischen, ist nicht eine Partei des deutschen Volkes? Partei und Volk decken sich nicht Partei kommt von pars und umfaßt daher immer nur einen Teil des Volkes. Partei will innerhalb des Volkes Macht erobern; sie ist der zusammengeballte Wille einer von gleichen Ideen und Interessen beherrschten 1) Nietzsche, der wohl tiefer als die Völkischen die Prohlematik im Begriffe des Deutschen erkannte, hat i885 zu der Frage sich mit folgenden, auch heute noch gültigen Sätzen geäußert: „Als ein Volk der ungeheuerlichsten Mischung und Zusammenrührung von Rassen, vielleicht sogar mit einem Obergewicht des vor-arischen Elementes, als Volk der .Milte, in jedem Verstände, sind die Deutschen unfaßbarer, umfänglicher, widerspruchsvoller, unbekannter, unberechenbarer, überraschender, selbst erschrecklicher, als es andre Völker sich selber sind: — sie entschlüpfen der Definition und sind damit schon die Verzweiflung der Franzosen. Es kennzeichnet die Deutschen, daß bei ihnen die Frage: Was ist deutsch? niemals ausstirbt." (Jenseits von Gut und Böse, 8. Hauptstück.) 73

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