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Der Morgen · 1927-04-01 · Heft 1 (April 1927) · p. 71

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Journal
Der Morgen
Volume
3 (1927-1928)
Issue
Heft 1 (April 1927)
Article
Völkischer Antisemitismus
Date
1927-04-01
Page
71 (sequence 4)
Language
German
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Irrtümer der Völkischen stets werden sie als die besondere erhaltungswerte Idealität dieses Volkes betrachtet, um deren willen es ein Recht hat auf politische und kulturelle Sonderexistenz. Indem die deutsche Romantik dieses idealisierte Volkstum herausgearbeitet hat, ist sie zu einer geschichtlichen Kraft des 19. Jahrhunderts geworden. Vom Anhauch der Romantik sind die Völker des europäischen Kulturkreises und weit darüber hinaus zum Bewußtsein ihres Eigenwertes geweckt worden. Auch im Zionismus wirkt noch die assimilatorische Kraft der deutschen Romantik. Die philosophische Spekulation hat schließlich das idealisierte Volkstum als Erscheinungsform einer metaphysischen Substanz gedeutet, die sich in den verschiedensten Volksgeistern manifestiert Dieser romantische Gedanke, ausgesprochen zuerst von Fichte, nimmt später eine naturalistische Wendung — Volkstum wird, wie bei Stapel, zu einem halb naturhaften, halb metaphysischen Individualgebilde, in das kein Fremdgeborener hineinkommen, aus dem kein Eingeborener hinauskommen kann. — Solange das Volkstum nur im Bereiche freischwebender philosophischer Betrachtung verblieb, war sein Einfluß in der Tagespolitik nur mittelbar zu spüren. Volkstum gehörte zu jener Gruppe metapolitischer Ideen, die den politischen Kampf wohl anfeuern und beleben, selbst aber nicht Gegenstand des Streites sind. Über ein Jahrhundert hat das metapolitische Inkubationsstadium der Volkstumsidee gedauert: seit mehr als einem Jahrzehnt wirkt sie sich als tagespolitische Idee mit verheerender Kraft aus. Das Volkstum der Romantik war wie ein fruchtbarer Wiesengrund, aus dem, ungleich an Farbe und Form, die allerverschiedensten Blumen aufsprießen. Das Volkstum der Völkischen ist wie eine Präzisionsmaschine, die Stückware gleicher Prägung liefert Gleicher Prägung! Denn darin sehen die Völkischen den besonderen Wert des Volkstums, daß es allen Volksgenossen die gleiche Denk- und Gefühlsweise verleiht Die seelische Uniformität ist ihnen das Kennzeichen der Zugehörigkeit zum deutschen Volke. Man muß das gleiche Urteil über Goethe haben wie Stapel, man muß für Raabe die gleiche Bewunderung empfinden wie Stapel, sonst ist man Jude oder verjudet Das kulturelle and politische Schicksal des deutschen Volkes dürfen nur Menschen gleicher seelischer Zustandlichkeit und gleichen seelischen Ausdrucks bestimmen.1) *■) Stapel hat diesen für die völkische Theorie charakteristischen Gedanken im Jahrgang 192 x, Heft 8 seiner Zeitschrift „Deutsches Volkstum" folgendermaßen formuliert: „Die Juden 71

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