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Der Morgen · 1927-04-01 · Heft 1 (April 1927) · p. 63

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
3 (1927-1928)
Issue
Heft 1 (April 1927)
Article
Ein Versuch analytischer Darstellung der Träume und der Träumer in den Büchern des Alten Testaments
Date
1927-04-01
Page
63 (sequence 7)
Language
German
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und der Träumer in den Büchern des Allen Testaments des Traumes bezeichnet Josef die Sorge des Königs um die Ernährung seines Volkes, die durch das Schicksal Ägyptens, den Nil, in Frage gestellt wird. Der Hebräer spinnt Pharaos Gedanken fort und führt sie zu Weiten, die des Königs Erwartungen unendlich hinter sich lassen. Er gründet Pharaos Hausmacht, und der König weiß, was er diesem staatsmännischen Genie zu danken hat Mit der Geschichte Josefs schließt die Traumreihe des Fünfbaches. Wir begegnen einem bedeutsamen Traume erst wieder im Buche der Richter, da Gideon gegen Midjan und Amalek den ungleichen Kampf zu unternehmen sich anschickt In der Nacht vor der Entscheidungsschlacht belauscht er mit seinem Diener die feindlichen Wachen und vernimmt, wie ein Krieger seinem Kameraden einen Traum erzählt: „Einen runden Gerstenkuchen sah ich durch das Lager Midjans rollen, an alle Zelte stieß er an und kehrte sie um, das Unterste zu oberst" Da erwiderte der Kamerad: „Das geht auf Gideon: Gott hat das Lager in seine Hand gegeben." Ein Soldat sieht also im Traum einen runden Gerstenkuchen von Zelt zu Zelt rollen, wahrscheinlich die Brotration, die von Zelt zu Zelt ausgeteilt wird; und dabei werden diese Zelte in heilloser Verwirrung auf den Kopf gestellt Der einfache Soldat weiß es am besten, wenn im Lager keine Ordnung waltet und vielleicht schon bei der Brotausgabe Verwirrung herrscht Er sieht voraus, daß bei der morgigen Schlacht Gideons Schwert die Truppen ebenso kopfscheu machen wird. Dieser Traum stellt ein psychisches Stenogramm dar, das, über die Türschwelle der Seele hinausgeschmuggelt, ein Selbstbekenntnis des Träumers enthält. Doch nicht jeder israelitische Fürst ist von glücklichen Verheißungen begünstigt wie Gideon. Saul wartet vergeblich auf mantische Träume. Kein Traum löst sich im leichten Schlummer aus dem Unbewußten, um dem geschlossenen Auge seherische Blicke zu gestatten. In seiner Ratlosigkeit flieht der König zur Hexe von Endor, zur Nekromantin. Sie versetzt ihn. der nach Art der Adepten seine Seele durch Fasten gelöst hat. in hypnotische Entrücktheit, in der er mit seinem einstigen Lehrer Samuel Zwiesprache hält Zunächst erblickt die Zauberin allerlei unbestimmte Schatten und kündet das Erscheinen einer Gestalt im langen Obergewand an. Dann überwindet ihre suggestive Gewalt den König, und auch er erkennt den Samuel. Dieser Verkörperung einer besseren Vergangenheit vertraut er die tiefsten Geheimnisse seiner Brust an, die er dem Tag und sich selbst stets verhehlte, und gelangt damit zur Erkenntnis der eigenen Schuld und Unzulänglichkeit. Die Darstellung 63

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