Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- Heft 1 (April 1927)
- Article
- Ein Versuch analytischer Darstellung der Träume und der Träumer in den Büchern des Alten Testaments
- Date
- 1927-04-01
- Page
- 59 (sequence 3)
- Language
- German
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und der Träumer in den Büchern des Alten Testaments Schläfers liegt Ein flimmerndes Auf und Nieder belebt die Himmelsleiter, als schwebten leichte Schemen auf ihr. Göttliche Verheißung erfüllt das ganze kosmische Bild. Eine herrliche Darstellung des Wünschens nach einer unmittelbaren Verknüpfung mit der großen Heimat — An wissenschaftlichem Gehalt ist der Leitertraum reich. Die Bibel weiß bereits um die Tatsache, daß Sinnesreize gelegentlich den äußeren Anlaß zum Entstehen eines Traumes geben, was mancher von uns durch eigene Erfahrung festgestellt haben wird. Das Geräusch einer ins Schloß fallenden Tür wird zum Dröhnen eines Schusses, ja einer ganzen Schlacht Wir erstarren in einer Eiswüste, wenn der Zugwind des geöffneten Fensters unser Antlitz trifft Dem künstlerischen Takt der Bibel entspricht es, daß sie in der Mechanisierung des Jakobstraumes nicht Kon- Irastär-Groteskes benützt, wie es gerade im Traume sich oft zeigt, — kleine Ursachen, große Wirkungen, — sondern daß als äußere Gegegenheit für Jakobs Ahnen von Gottes Allgegenwart nichts Geringeres als die aufgehende Sonne in Anspruch genommen wird. Der Traum bedeutet aber im Haushalt der Seele noch mehr. Er enthält die Erfüllung vieler vom Tage verdrängten Wünsche und besitzt den Mut, das darzustellen, was nüchtern-klare Überlegung nicht zu erdenken wagt So träumt Jakob in seiner Feldeinsamkeit von Scharen und großer Gefolgschaft, die er allerdings noch nicht als Mannen seines Volkes zu träumen vermag; noch sind sie ihm Engel, Gottesboten. Immerhin löst der Traum in göttlicher Beschwingtheit die Schwere des Zweifels, woher ihm, dem Einsamen, jene Mannen zuströmen sollen. Jakob empfängt mit traumhafter Selbstverständlichkeit die Botschaft und Gewißheit von Volk und Menge. Die Vielen steigen herab, sind nahe, sind da und sein Eigen; da erwacht er und erkennt voll Ehrfurcht, daß hier eine Pforte des Himmels offen stand, die mit Tagesanbruch sich schloß, auf dem Feld, das er Beth-El nennt, und in seiner ahnenden, träumenden Seele. Jakob ist es, der später jenen geheimnisvollen nächtlichen Kampf mit dem Engel besteht, und sein Lieblingssohn ist Josef, den seine Brüder den Träumer nennen. Mil der Josefsgeschichte tritt die Behandlung des Traumes in eine ganz neue Phase. Der Träumende hält nämlich den Bericht seines Traumes nunmehr für so aligemein-interessierend und wichtig, daß er es selbst auf das zweifelnde Mißvergnügen seiner Hörer ankommen läßt und sich der Gefahr des Spottes und des Hohnes aussetzt, wenn sein Traum sich als nichtig und taub erweisen sollte. Zunächst ist es der Traum von den Garben auf dem Felde, den Josef 59