Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- Heft 1 (April 1927)
- Article
- Die Freunde Spinozas
- Date
- 1927-04-01
- Page
- 43 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Freunde Spinozas Meinung zu türchten hatten, ausgeschieden worden. Wo vor allem sind die Jugendbriefe, die Briefe aus Rijnsburg an die Amsterdamer Freunde, die Briefe an Johann de Witt, an Leibniz und die an den Oberst Stouppe, der eine Zusammenkunft Spinozas mit dem Prinzen von Conde vermitteln wollte, wo sind sie hingekommen? Am schmerzlichsten berührt uns der Verlust des Briefwechsels mit Johann de Witt bei der ohnehin sehr dürftigen Kenntnis, die wir über das Verhältnis Spinozas zu Hollands großem Staatsmann besitzen. Zweier Jahrhunderte hat es bedurft, um die Entstellungen und Mängel in den erhalten gebliebenen Briefen notdürftig zu beseitigen. Willem Meijer hat in einer kostbaren Faksimileausgabe (Haag io,o3) die im Jahre 1902 noch erhaltenen eigenhändigen Briefe Spinozas herausgegeben. Es sind ihrer nur elf von den 49 von ihm geschriebenen, die auf uns gekommen sind. Dieses Verhalten der Herausgeber gegen Spinozas Briefwechsel läßt auch nicht ausgeschlossen erscheinen, daß der Text der Nachgelassenen Werke mehr oder weniger Abänderungen unterzogen worden ist Beweise haben sich allerdings dafür bis heute nicht beibringen lassen. Schließlich kann man sich nur schwer erklären, weshalb unter den Freunden sich nicht einmal Ludwig Meijer oder Jarig Jelles dazu verstanden haben, die Nachgelassenen Werke, anstatt nur mit einigen Hinweisen auf den Entwicklungsgang und die Schriften Spinozas, mit einem genauen Bericht seiner wichtigsten Lebensschicksale zu versehen. Was Colerus nach Spinozas Tode mühselig zusammengetragen hat, hätten sie jedenfalls in einem viel größeren Reichtum und strafferen Zusammenhang zu bieten vermocht Aber: „Je größer das Genie, desto weniger wirkt es unmittelbar auf seine Zeit, desto weniger auch findet es Beachtung bei solchen, die imstande wären, wissenswerte Aufzeichnungen über sein Leben zu machen. Das Genie ist für seine Umgebung unsichtbar; bis anfängt, daß es auch nur obenhin angesehen wird aus irgendwelchen Interessen der Zeit (die nicht das Interesse am Genie sind), haben seine Allernächsten ihr weniges und schlecht genug Beobachtetes vergessen, oder sind gestorben." l) Nur einer von Spinozas mutmaßlichen Freunden, der Freigeist Lucas, hat es unternommen, sich über ihn zu äußern. Schwer ist ihm bis in unsere Tage seine hohe Begeisterung für Spinoza verdacht worden, die ihn seine Beschreibung von Spinozas Leben schließen läßt: „Die meisten von denen, welche in Dunkelheit und ruhmlos gelebt haben, werden in Finsternis und Veri) Constantin Brunn er in „Unser Christus oder Das Wesen de« Genies", S- 636/37- 43