Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- Heft 1 (April 1927)
- Article
- Die Freunde Spinozas
- Date
- 1927-04-01
- Page
- 42 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Ernst Altkirch als auch sie als eine Vorarbeit anzusehen ist und nach dem Zeugnis van TiLs, Bayles und anderer später zum großen Teil in die Theologisch-politische Abhandlung aufgenommen wurde. Sie ist von Spinoza in spanischer Sprache verfaßt, und er widerlegte darin die von den Vorstehern der jüdischen Gemeinde in Amsterdam gegen ihn erhobenen Vorwürfe. Daß die Apologie nicht nur dem Freundeskreise, sondern auch Fernerstehenden bekannt war, geht aus einer Schrift des Utrechter Professors der Theologie Salomo van Til, betitelt „Het Voor-Hof der Heydenen" (Dortrecht i6g4) hervor: „Diese Bedenken hat er ausführlich in einer spanisch geschriebenen Abhandlung unter dem Titel einer Rechtfertigung für seine Abwendung vom Judentum gegen das Alte Testament zusammengefaßt, hat aber auf Freundesrat die Schrift zurückgehalten und es unternommen, diese Dinge etwas geläufiger und kürzer in ein anderes Werk einzufügen, das er unter dem Titel Tractatus Theologico-politicus im Jahre 1670 veröffentlichte." Auch über die Apologie läßt sich der junge Rieuwertsz aus: „Was man gefunden, das habe man auch alles zum Druck befördert, außer ein großes Werk, so Spinoza wider die Juden geschrieben, und dieselben sehr hart tractiret Spinoza habe es schon vor dem Tractatu Theologico-Politico fertig gehabt und doch unedirt liegen lassen, woraus sie denn auch geschlossen, daß er es nicht publicirt haben wollen. Er (Rieuwertsz) habe das Mst gehabt, aber an jemanden weggelassen." Es ist somit von der Apologie das Manuskript und eine Abschrift, die die Amsterdamer jüdische Gemeinde erhalten hatte, vorhanden gewesen, sodaß die allerdings wohl sehr schwache Möglichkeit ihrer Wiederauffindung besteht. Daß die Freunde für dieses sicherlich erschütternde menschliche Dokument des jungen Spinoza, diese seine erste Auseinandersetzung mit dem Judentum, nicht Augen und Herz gehabt haben, wer kann das heute begreifen? Die Herausgeber haben sich aber noch andere Verstöße zu schulden kommen lassen, die weit schwerer wiegen. Spinoza, der ein fleißiger Briefschreiber war, hat ersichtlich auf seinen Biefwechsel als einen Kommentar zu seinen Werken großen Wert gelegt Von seinen Briefen hat er zumeist Entwürfe oder Abschriften zurückbehalten. Das Pult, das bei seinem Tode seine Manuskripte barg, enthielt zweifellos einen der herrlichsten Briefschätze. Aber die Herausgeber, und wahrscheinlich nicht nur sie allein, haben in unverantwortlicher Weise Briefe vernichtet, entstellt, gekürzt und alles für die Persönlichkeit Aufschlußreiche weggelassen. Wahrscheinlich sind alle Briefschreiber, welche die Staatsgewaltigen, die Kirchenbehörden und die öffentliche 42