Mannheim
Compact Memory

Der Morgen · 1927-04-01 · Heft 1 (April 1927) · p. 44

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
3 (1927-1928)
Issue
Heft 1 (April 1927)
Article
Die Freunde Spinozas
Date
1927-04-01
Page
44 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2895450-2895467-2895469-2897645--01731-2897720
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Ernst Altkirch: Die Freunde Spinozas gessenheit gehüllt bleiben. Baruch de Spinoza wird leben in dem Andenken der wahren Gelehrten und in ihren Schriften, die der Tempel der Unsterblichkeit sind." Man hat das Fehlen einer Lebensbeschreibung von Seiten der Freunde wiederholt damit zu erklären versucht, daß man behauptete, Spinoza habe eine völlige Abneigung gegen die Schilderung seiner Lebensschicksale besessen und habe dies auch mit unzweideutigen Worten zu erkennen gegeben. Darin dürfte man sich, wie in so vielem, was die Persönlichkeit Spinozas angeht, in einem Irrtum befinden. Die Gespräche, die der jüngere Rieuwertsz mit Dr. Hallmann geführt hat, widersprechen direkt dieser Annahme1), und ein Ausspruch Spinozas in der Theologisch-politischen Abhandlung dürfte seine Stellung zu dieser Frage am besten charakterisieren: „Um so leichter werden wir jemandes Worte erklären können, je besser wir sein Wesen und seinen Geist kennen." Etwas rühriger haben sich die Freunde darin erwiesen, daß sie um ein Bildnis Spinozas besorgt waren, wenn uns darüber auch nichts überliefert ist Aus mancherlei Umständen kann jedoch geschlossen werden, daß Ludwig Meijer, der eine umfangreiche Bibliothek besaß, Spinoza dazu veranlaßt hat, sich für diese porträtieren zu lassen. Das Gemälde befindet sich heute in der Landesbibliothek zu Wolfenbüttel, und nach ihm ist einige Jahre nach Spinozas Tode ein Kupferstich mit lateinischer und holländischer Unterschrift hergestellt worden, der den Nachgelassenen Werken beigefügt wurde oder einzeln zu kaufen war.2) Noch eines mag bemerkt sein. Wenn wir Spinozas Freunde der Reihe nach betrachten, dann muß ein Umstand auffallen. Sämtliche uns bekannt gewordenen Freunde sind Christen. Kein Jude ist unter ihnen, und weil keiner darunter ist, und keiner uns von ihm erzählt hat, darum sind wir über den Entwicklungsgang Spinozas ganz und gar auf Mutmaßungen angewiesen. Nur daß er falsche Jugendfreunde unter den Juden besessen hat, ist uns bekannt geworden: sollte er unter ihnen wirklich keine anderen Freunde gehabt haben? Sollte keiner dem Bannfluch der Amsterdamer jüdischen Gemeinde getrotzt haben? Es ist schwer anzunehmen. *) „Spinoza habe niemals etwas zu seinem Leben colligiret, aber seine Freunde wüßten es zur Genüge. Es hätte sich zwar jemand unterstanden, sein vitam zu beschreiben, aber es wären viel Falsa darinnen, weil der Autor wenig von Spinoza gewußt, und dazu sein Todfeind gewest. (Colerus?) Wenn der Rieuwerts oder ein anderer sich drüber machen wollen, hätte es gantz anders aussehen sollen. Es wären mehr Episteln gefunden worden, ais man gedruckt hätte; alein sie wären von keiner importanz gewest, daher sie verbrandt worden." ") Näheres über die Bildnisse Spinozas in des Verfassers Werk „Spinoza im Porträt" (Jena 19i3). 44

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.