Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- Heft 1 (April 1927)
- Article
- Die Freunde Spinozas
- Date
- 1927-04-01
- Page
- 40 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Ernst Altkirch und daß die Vernichtung der Handschrift beim Zustandekommen des Handels möglicherweise erfolgt wäre, würde kein allzu großes Unglück gewesen sein, denn es waren von der Ethik Abschriften vorhanden. Ohne den Buchhändler und Drucker Jan Rieuwertsz in Amsterdam, den Verleger vieler als ketzerisch verschrieener Männer seiner Zeit, der einer der treuesten und uneigennützigsten Freunde Spinozas genannt werden muß, wären jedoch die nachgelassenen Werke wohl schwerlich bald ans Licht gekommen. So erschienen sie bereits Ende 1677, im Todesjahr Spinozas, jedoch waren weder Herausgeber und Verleger noch Drucker und Druckort angegeben. Über die Herausgabe der posthumen Werke wissen wir nicht viel. Der literarische Nachlaß Spinozas war in einem kleinen Pulte verschlossen. Was sich in diesem vorfand, haben die Freunde durchgesehen, ergänzt und veröffentlicht Für die Drucklegung der „Opera Posthuma" und der holländischen Übersetzung, der „Nagelate Schriften" müssen jedoch verschiedene Manuskripte benutzt worden sein, da nicht weniger als i56 Stellen der Ethik in den „Opera Posthuma" und den „Nagelate Schriften" voneinander abweichen, wie Carl Gebhardt festgestellt hat1) In der Vorrede erklären die Freunde: „Dies ist alles, was man aus den Handschriften des Verfassers und aus einigen Abschriften im Besitze befreundeter und vertrauter Personen hat zusammenstellen können. Es ist zwar möglich, daß noch bei diesem oder jenem etwas, was unser Verfasser ausgearbeitet hat, verborgen liegt, doch dürfte sich unsres Erachtens nichts darin finden, was nicht schon in diesen Schriften des öftern ausgeführt ist" Sollte aber zum Beispiel die Schrift über den Regenbogen so verborgen gewesen sein, daß sie nicht mit einiger Mühe hätte beschafft werden können? In einer deutschen Reisebeschreibung aus dem Jahre 1704 erzählt Dr. Hallmann von einem Besuche, den er dem jungen Rieuwertsz (der Vater war im Jahre i685 gestorben) 1703 abgestattet hat, und berichtet: „Was den Tractat de Iride beträfe, so versicherte er, daß ihn Spinosa niemals verbrannt, gleichwohl aber wäre er inter Manuskripta nicht gefunden worden, also müßte er noch irgend unter den Händen eines guten Freundes stecken. Man hätte aber des Tractats de Iride in der praefatio mit Fleiß gedacht, damit *) Carl Gebhardt, „Inedita Spinoz ana" (Heidelberg 1916). Die nach langjähriger Vorarbeit von Gebhardt geschaffene textkritische Ausgabe der Werke Spinozas ist unter dem Titel „Spinoza Opera" bei Carl Winters Universitätsbuchhandlung, Heidelberg 1926, erschienen. 40