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Der Morgen · 1927-04-01 · Heft 1 (April 1927) · p. 39

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Journal
Der Morgen
Volume
3 (1927-1928)
Issue
Heft 1 (April 1927)
Article
Die Freunde Spinozas
Date
1927-04-01
Page
39 (sequence 3)
Language
German
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Die Freunde Spinozas und daß er mit der vorgetragenen in wichtigen Punkten nicht überemstimme. „Niemand möge urteilen, daß er hier das Seinige lehre oder auch nur das, was er selbst von der Lehre Descartes' für richtig hält; denn, obgleich er manches davon für richtig erachtet und noch manches Eigene hinzugefügt zu haben gesteht, findet sich doch Vieles, was er als falsch verwirft, und wovon er eine durchaus abweichende Ansicht hegt" Die Freunde wußten also von Spinozas eigenen Gedanken, zeigen sich aber nicht besonders ungeduldig, in diese einzudringen. Für sie war eben Descartes „das glänzendste Gestirn ihres Jahrhunderts, der nie genug zu rühmende, der die Philosophie auf unerschütterlichen Grundlagen aufgebaut hatte". Welche Auffassung im übrigen die Freunde von Spinozas Philosophie hatten, das enthüllen einige Worte aus der Vorrede zu den Opera posthuma: „Es ist wahrhaftig zu beklagen, daß den, der es schon so weit in der Erkenntnis der Wahrheit gebracht und zu ihrer Fortbildung eine so große Fähigkeit erlangt hatte, so früh, so zur Unzeit der Tod ereilte, umsomehr als nicht allein die Vollendung dieser Schriften, sondern auch eine ganze Philosophie (!) von ihm zu erwarten gewesen wäre." Was müssen, nach solchen Worten zu urteilen, die Freunde aus der Ethik (die Spinoza zuerst „Philosophia" nennen wollte) herausgelesen haben! Nach der Aufnahme, die die Theologisch-politische Abhandlung bei Gegnern und — Freunden gefunden hatte, trug Spinoza wahrscheinlich kein allzu großes Verlangen, sein Hauptwerk, die Ethik, bei seinen Lebzeiten veröffentlicht zu sehen. Er hatte zwar im Juli 1675 die Absicht, sie drucken zu lassen, aber das Geschrei seiner Widersacher, denen zu Ohren gekommen war, daß Spinoza ein noch viel gefährlicheres Buch als die Theologisch-politische Abhandlung herausbringen wolle, war so groß, und die Einwürfe seiner ängstlichen FreundeJ) derart ernst und nachdrücklich, daß er die bereits vorbereitete Herausgabe verschob und an seinem gewaltigen Gedankenwerke besserte und immer wieder besserte, bis der Tod kam. So fehlt der Ethik die letzte Feile, die ihr Spinoza wohl erst gegeben hätte, wenn er sie selbst zum Druck befördert haben würde. Er wußte seinen Nachlaß in treuen Händen. Darin hat er sich nicht getäuscht Daß einer seiner Freunde, ein Deutscher, der Arzt G. H. Schuller, das Manuskript der Ethik Leibniz für i5o Gulden zum Kauf angeboten hat, x) „Seine Schüler wagen nicht, sich offen zu ihm zu bekennen", berichtet S 10 u p p e in seiner Schrift „La Religion des Hollandois" (Paris 1673). 39

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