Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- Heft 1 (April 1927)
- Article
- Die Freunde Spinozas
- Date
- 1927-04-01
- Page
- 38 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Emst Altkirch waren, „unter seiner Führung die Wahrheit gegen allen religiösen und christlichen Aberglauben zu verteidigen". So Simon de Vries, der ergebenste und liebenswerteste unter den Freunden Spinozas, in einem Briefe vom 2 4- Februar i663. Er berichtet darin von Zusammenkünften der Amsterdamer Freunde, die dazu dienten, um gemeinsam Abschnitte der Ethik, die ihnen Spinoza aus Rijnsburg zuschickte, durchzuarbeiten. Man höre nun zunächst, worin die Art des Anteils der Freunde an Spinozas ersten Schriften bestand. Von den beiden Werken, die bei Lebzeiten des Philosophen erschienen, der Darstellung der cartesianischen Prinzipienlehre (i663) und der theologisch-politischen Abhandlung (1670), bedeutet nur die zweite eine für Spinozas Denken und Schaffen selbständige Arbeit Die -erste wäre ungeschrieben geblieben, wenn er sie nicht einem Hausgenossen, einem jungen, unreifen Theologen mit Namen Johannes Casearius, den er unterrichtete, und dem er seine eigene Lehre nicht darlegen wollte, in die Feder diktiert hätte. Dieser Casearius gehörte zu den „Modernen", von denen Spinoza schwerlich viel wissen wollte, und die, nach seiner eigenen Ausdrucksweise, nicht die Wahrheit suchten, sondern das Neue. Daß Spinozas Freunde ein so lebhaftes Interesse für die Darstellung der cartesianischen Prinzipienlehre bekunden und ihn drängen, dieses Werk zu vollenden und es als Lehrbuch der cartesianischen Philosophie zu veröffentlichen, das bezeugt, daß ihnen nicht Spinoza an sich, jener Spinoza „unter allen uns bekannten Menschen aller Zeiten der einzige, der nichts als Wahrheit, die ganze Wahrheit ohne jegliche Beimischung des Verkehrten mit voller Bewußtheit in sich trug" (Brunner), sondern Spinoza, der vermeintliche Gartesianer, der Ausleger und Vervollkommner der cartesianischen Lehre, das Wichtigste war. Einer der Freunde, Jarig Jelles hat auf seine Kosten die Darstellung der cartesianischen Prinzipienlehre drucken lassen. Dieser Jelles veröffentlichte von sich im Jahre i684 ein Buch „Bekenntnisse des allgemeinen und christlichen Glaubens", worin er sich ausdrücklich als Cartesianer bekennt und die Verträglichkeit des Cartesianismus mit der Religion zu beweisen trachtet, ebenso wie er in der Vorrede zu den Opera posthuma Spinozas (anstatt über ganz anderes zu reden) ausführlich darlegt, daß zwischen der Philosophie Spinozas und dem christlichen Glauben kein Zwiespalt vorhanden sei. In der Vorrede Ludwig Meijers zu der Darstellung der cartesianischen Prinzipienlehre heißt es, daß der Verfasser nicht seine eigene Lehre vortrage, 38