Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- Heft 1 (April 1927)
- Article
- Der Psalter
- Date
- 1927-04-01
- Page
- 35 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- article
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Der Psalter weiter ansteigende, alles in sich hinein reißende Lobgesang dessen, der durchgedrungen ist Dieser andeutende, schrittweise Gang (in den nicht angeführten Psalmen ändert sich die innere Lage jeweils nicht merklich gegen die zuletzt gekennzeichnete Stufe) mußte gemacht werden, um der Gefahr, symbolisch verstanden zu werden, zu begegnen. Was jetzt noch meinem Leser symbolisch scheint, mag er getrost auf Rechnung unzureichender Darstellungskraft setzen. Der Weg des Psalters ist nicht symbolisch, sondern er ist der Weg des Gebetes schlechthin. Fangen wir nicht alle an wegen unserer Beschränktheit und aus unserer Beschränktheit, aus der Versteifung unserer kleinen Person? Sollten wir nicht alle enden in dem einstimmigen Lobgesang, und sollten wir nicht zwischen Einkehr und Überwindung alles, das Böse wie das Gute, das Leblose wie das Lebendige, mit uns auf die Kniee zwingen? Haben wir schon je anders gebetet als in diesem Gang? Oder, wenn wir anders gingen, war es dann ein Gebet? „Zu einer solchen Redaction gehört Sammlung, Fassung und eine gewisse allgemeine Stimmung. Wenn ich noch ein paar Dutzend neue Gedichte dazu thun könnte, um gewisse Lücken auszufüllen und gewisse Rubriken, die sehr mager ausfallen, zu bereichern, so könnte es ein recht interessantes Ganze geben". So schrieb Goethe am 3. August 1799 an Schiller, als er eine neue Sammlung seiner Gedichte vorbereitete. Goethe fühlte die Magerkeit gewisser Rubriken, die Notwendigkeit, leere Fächer seines Baues dereinst auszufüllen, damit es ein Ganzes werde. Umgekehrt Schiller. Dreimal hat er selbst seine Gedichte gesammelt herausgegeben, stets verändert, zielstrebiger, eindeutiger. Trotzdem war er voller Unzufriedenheit Ein Jahr vor seinem Tode plante er eine völlige Neuausgabe, die alle früheren umstoßen sollte. Nicht mehr alle Gedichte, geschweige denn mehr als die vorhandenen, sondern nur eine Auswahl wollte er hinein haben, und diese Auswahl sollte eingeteilt sein in vier Bücher. Schiller hat die Herausgabe vorbereitet, aber nicht mehr erlebt Erst hundert Jahre nach seinem Tod hat man einmal die Gedichte nach dem Entwurf im Weimarer Schillerarchiv, in jene vier Bücher geteilt, zum Druck gebracht Franz Rosenzweig ist es gewesen, der mich vor vielen Jahren auf dieses wundervolle Werk aufmerksam gemacht hat 3* 35