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Der Morgen · 1927-04-01 · Heft 1 (April 1927) · p. 32

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
3 (1927-1928)
Issue
Heft 1 (April 1927)
Article
Der Psalter
Date
1927-04-01
Page
32 (sequence 10)
Language
German
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Rudolf Hallo fiehlt — keine durchfühlbare Natürlichkeit die Gelenke gerade an jene Stellen, an denen wir sie vorfinden, gesetzt hat Andererseits: der Gedanke der Fünfteilung des Psalters mag bis in alexandrinische Zeit hinaufreichen (hat doch die griechische Übersetzung Teilung und Anordnung wie der Urtext); über das Alter jedes einzelnen Psalms ist damit noch garnichts gesagt Es gehört historisch - kritische Einzeluntersuchung dazu, um festzustellen, wann der einzelne Psalm entstanden ist, und es kann sich dabei herausstellen, daß ein Psalm weit älter ist als die alexandrinische Epoche- Was uns hier beschäftigt, ist aber nicht diese Frage nach der Entstehungszeit des einzelnen Psalms, sondern die Frage nach dem Grunde seiner Zulassung in die Psalmensammlung und dem Grunde der Einordnung in dieses oder jenes Buch während der langen Zeiträume des Sammeins. Wir fragen also nicht nach der absoluten Bedeutung von Ziffern, sondern nach dem Stellenwert von Zahlen, um in deutlichen Vergleichen zu sprechen. Und wir präzisieren die Abhängigkeit der Fünfteilung des Psalters von der Fünfteilung der Torah auf die innere Aneignung jenes ursprünglich vielleicht fremden, jedenfalls aber schon einmal jüdisch verwendeten künstlerischen Gedankens. Wir nehmen deshalb, auch ohne es stets vorzuzeigen, Kenntnis von der Oszillation unter der Oberfläche, von dem unruhevollen Kampf um die „Kanonisierung" und Auslese und Anordnung unserer 15o Psalmen, aber wir fragen nur nach dem Resultat dieses Kampfes. Denn das Resultat verkörpert die Harmonisierung aller Widerspiele und bezeichnet den Anordnungszustand der Objekte, mit dem sich die Ordnenden, aus freudiger oder aus müder Zustimmung, zufrieden gaben.1) Das heißt: das uns vorliegende Resultat der Auslese und Anordnung von i5o Psalmen zu unserem Psalter behandeln wir nicht als den Prozeß der künstlerischen Gestaltwerdung poetischer Ideen, sondern als eine musivische Arbeit, die aus kleinen wohlbekannten Formteilen eine große vorahnbare Form entstehen läßt Außer den gewichtigen buchschließenden Eulogieen war nichts mehr zu schaffen, sondern das bereits Vorhandene war mit der Kraft des Gedankens zu ordnen. So muß sich in die Struktur des Psalters der Strukturgedanke seiner Ordnung eingeprägt finden. Ihn gilt es, zu entbinden, die in ihm aufgespeicherte Energie zu entfesseln, hier am Psalter wie dort an den fünf Büchern Mosis. *) Als Rabbi Jeboschua ben Levi die Ordnung der Psalmen zu verändern dachte, warnte ihn »eine himmlische Stimme mit den Worten: Störe nicht, was ruht (Midrasch Tillim nach Fürst, Kanon S. 68). 32

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