Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- Heft 1 (April 1927)
- Article
- Der Psalter
- Date
- 1927-04-01
- Page
- 31 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Psalter darlegend kühler Dante, sondern die ewig Namenlosen, die aus i5o Psalmen den größten aller Psalmen schufen, den Psalter: unsere Väter! Aber damit ist noch nicht alles gesagt Noch ein Gebilde enthüllt jetzt unseren schärferen Augen seine formbildende Struktur: die fünf Bücher Mosis. Fällt nicht unsere Einsicht in den Bau des Psalters wie ein Blitzlicht auf den Aufbau der fünf Bücher Mosis zurück? Sind sie nicht wie ein gewaltiges Monument? Von der Basis der Schöpfung einer Welt bis zu der Spitze im Manne Gottes, Moses? Wachsen sich die Riesenkegel der Thora und des Psalters nicht entgegen? Dieser, der Psalter, mit Segen und Fluch beginnend, zitternd eng und dann hinausschwingend über Menschen, Berge und Himmel, bis zu dem übersündigen, übergerechten, einfachen Jubelgesang aller Geschöpfe? Und ihm entgegen jener Kegel der Thora, aus aller Breite Himmels und der Erde, Völker scheidend, Ahnen reihend, Fäden schürzend, um in immer engeren und höheren Windungen aus Mosis Geschlecht ihn allein herauszuheben, ihn in seiner Übereiltheit und Verzagtheit, in seiner Schwäche und Stärke, ihn zeigend, bis er zur Höhe der Würdigung emporwächst, Gottes Wort an sein Volk zu verkünden? Ein Held und doch was für ein Mensch, er, der die Schlachten des Geistes und leibliche Schlachten wagt, der besiegt wird und siegt, der viel sündigt und viel heilt, und der doch steigt bis er auf der Höhe des Berges von Todesschauern umrieselt, seinem Gotte alles Geschaffene und Gestiftete, durchströmt von einem einheitlichen Kraftstrom, beredt geworden durch einen einhelligen Odem, in dem Gebot der Heiligung zurückreicht und, von ferne das gelobte Land sehend, berechtigt wird, zu segnen und zu fluchen, weil er weiß, was gut und böse ist! Ein Drama freilich, aber keins von der Bühne. Und wer weiß, woher die 5-Akt-Teilung dieses Dramas stammt Denn hier ist es wirklich schwer, die Buchgrenzen (Aktschlüsse) zu begründen, hier bei der Torah hebt sich die Genesis zwar von den übrigen vier Büchern in natürlicher Gliederung ab, aber nicht die vier übrigen Bücher voneinander. Und deshalb erscheint hier die Fünfteilung wie eine von außen eingeführte Skandierung der alten überkommenen Torahmasse. Es bedarf hier äußerster Deutlichkeit im Ausdruck: einerseits wird lediglich zu der Fünfteilung der längst abgeschlossenen Schriftensammlungen, die die Torah bilden, die Möglichkeit griechischer Anregung erwogen, da abgesehen von symbolischen oder uneigentlichen Gründen — wie es auch offenbarte Anweisung wäre, die nicht begründet sondern bc- 3t