Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- Heft 1 (April 1927)
- Article
- Der Psalter
- Date
- 1927-04-01
- Page
- 30 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Rudolf Hallo Sehen wir nur auf die geradezu thematischen Buchanfänge! I. Wohl dem, der nicht wandelt im Rate der Gottlosen (d. h. nach der falschen Unterweisung der Gottlosen): das Herumsehen im beschränkten Kreis, ein angstlich enges Abwägen von Fromm gegen Unfromm, des Nächsten gegen uns selbst, das Kreiseln und die Negation. II. Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser, so schreit meine Seele, Gott, zu Dir! Das Herausbrechen aus dem Ring der Beschränktheit, das Eingeständnis der Not, das Hilfgesuch an den der Hilfe bringen kann, die Zertrümmerung des Kreises der Selbstigkeit und des verschämten Trotzes. III. Israel hat dennoch Gott zum Trost, wer nur reines Herzens ist: die tiefere Einsicht in das was Not ist; Israel hat Gott zum Trost, nicht: Israel ist fromm. Die aus der Mitte fliehende Kraft hat eine bestimmte Richtung angenommen, der in sich selbst kreisende Reif hat sich zur Ranke aufgerollt, die ihren Anhalt kennt; der namenlos allgemeine Beter ist zur geschichtstragenden bestimmten Person geworden, zu Israel. IV. Du bist unsere Zuflucht für und für, dor wador, für Geschlecht auf Geschlecht Hier ist überhaupt nicht mehr die Rede davon, was wir sind oder was ich bin — außer daß ich ein Glied in der laufenden Kette bin — sondern was der ist, ohne den unsere Frömmigkeit leer wäre. Alles was an uns geschieht, was an unseren Vorfahren geschah und an unseren Nachfahren geschehen wird, alles kommt von dem, zu dem jedes Geschlecht sagen kann: Du bist unsere Zuflucht V. Danket (nein vielmehr „hodu" preiset) den Herrn, denn er ist freundlich: preiset ihn, ihr Alle, nicht etwa bloß ihr Frommen. Wo ist überhaupt jener gewichtige Unterschied zwischen Frommen und Unfrommen hin? Sind wir nicht allzumal Sünder? Nicht uns die Ehre,, so wehrt Ps. n5 ab, sondern, Ps. i5o: Alles was Odem hat, preise den Herrn, HaUelujah!*)— Eine ungeheure Strecke ist durchmessen. Hölle, Fegfeuer und Paradies sind noch unzulängliche Vergleiche. Und diese Strecke führte uns kein dichtender, *) Wie weit sich unsere Auffassung des „Nehmt alles nur in Allem" von der Ansicht eines der feinsten und verehrungswürdigsten Alttesfcamentler untenscheidet, der nicht von seiner „Einzelbeobachtung" loskommt, mögen die Worte zeigen, die Gunkel 1926 dem i5o. Psalm widmet: „Eine solche Dichtung ist natürlich ohne besonderen künstlerischen Wert, aber macht auch keinen Anspruch darauf, manchen Bildern an den Wänden unserer Kirchen vergleichbar. Für uns ist sie bedeutsam, weil sie eben in ihrer Armut den Aufriß des iLob>- gesanges deutlich hervortreten läßt." Ein Ähnliches „für uns" wie oben S. 20. 30