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Der Morgen · 1927-04-01 · Heft 1 (April 1927) · p. 27

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
3 (1927-1928)
Issue
Heft 1 (April 1927)
Article
Der Psalter
Date
1927-04-01
Page
27 (sequence 5)
Language
German
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Der Psalter sie verfaßt sind — das alles sind erlaubte nützliche Fragen, auf die die altjüdischen traditionellen Überschriften: „von David, als er vor Absalom floh" oder „Stufengesang" oder „Lied der Kinder Korah" lediglich die frühesten uns erkennbaren Antworten sind, die man versuchte — sondern dann fragen: welcher Geist diese an sich ungeselligen, zeitlich, zwecklich und menschlich verschiedenen Psalmen in jene Ordnung der i5o Lieder gestellt hat, in der sie erst den Psalter bilden. Dem Psalter als Ganzem sind alle bisherigen Fragen nicht gerecht geworden, geschweige denn seiner Fünfteilung.1) (Freilich auch nicht einmal alle Beter. Sowohl die jüdische Septuaginta, d. h. die griechische Bibel, wie die christliche Peschitto der Syrer erschlägt die heilige Anspannung des Psalters durch einen 151. Psalm, der alles Vorausgehende gleichsam zu einer magischen Litanei degradiert: eine hohle Ruhmredigkeit Davids mit dem Schlußvers „geköpft habe ich den Heiden und weggenommen die Schmach von Israel".) Welchen Sinn verbindet man denn mit der Feststellung, daß der Psalter nach der Weise der Torah in fünf Bücher geteilt ist? Etwa den, daß seine buchmäßige Länge in derselben Proportion gestückelt ist wie die Länge der Torah, oder den, daß der Psalter Genesis Exodus usw. hat? Ist es nicht besser, nach einem vernünftigen Grund für die übertragene Anwendung der Fünfteilung zu fragen? Freilich müßte man dann den Grund für die Fünfteilung der Thora zuvor wissen, wenn man ihn schon nicht in offenbarte Anweisung oder in literarische Wißbarkeiten setzen will. Jedoch statt den Grund aufzusuchen, kann man auch zuerst nach dem Erfolg der Teilung, also nach dem Inhalt der fünf Teile des Psalters fragen. Offenbar enthalten die Bücher weder gleiche Stoffmengen noch gleiche Psalmenanzahlen (das IV. Buch ist 19, das V. 4o Druckspalten lang; das II. Buch enthält 3o, das III. 16 Psalmen).2) Am allerwenigsten aber gleichen sich die fünf Bücher in der Art ihrer inhaltlichen Füllung. Luther hat es schön ausgesprochen, welcher Art der Inhalt des Psalters ist „Erstlich etliche Psalmen weissagen, zum andern sind etliche Psalmen Lehrpsalmen, zum dritten sind etliche Trostpsalmen, zum vierten sind etliche Betpsalmen, zum fünften sind etliche Dankpsalmen", und weiter: „doch soll man wissen, daß die Psalmen nicht so eben und genau in solche Stücke mit allen Versen zu teilen J) Früheste Erwähnung der Fünfteilung nach Brüll (Jahrbücher 1879) in Traktat Kidd, 33 a. um 175 n. Chr. 2) Über die Kontroversen, ob 1&7 oder i5o Psalmen zu zählen sind, berichten die Kommentare. 27

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