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Der Morgen · 1927-04-01 · Heft 1 (April 1927) · p. 24

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
3 (1927-1928)
Issue
Heft 1 (April 1927)
Article
Der Psalter
Date
1927-04-01
Page
24 (sequence 2)
Language
German
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Rudolf Hallo Aber sehen wir von der Stellung des Psalters ab. Wie steht es um seine Ordnung? Man sollte meinen, diese Frage wäre längst gestellt worden, und es gäbe vielerlei Versuche der Antwort darauf. Aber es gibt sehr wenig Antworten und die wichtigsten Fragen, nämlich die nach dem Sinn der Sammlung und der Teilung sind überhaupt noch nicht gestellt Die jüdische Tradition scheint nicht mehr zu wissen, als daß die Fünfteilung nach der Fünfteilung der Bücher Mosis erfolgte: Psalter und Torah keneged, d. h. vis-ä-vis, Zug um Zug einander gegenüber (Midrasch. Till c. i); oder daß die Sammlung aus fünf Einzelsammlungen zusammengewachsen sei. Was die Tradition mehr, ja eigentlich allein beschäftigt, ist die Frage nach den Verfassern der Psalmen, nach jenen zehn Männern, — zehn Stimmen vereinigen sich zum Hallelujah des i5o. Psalms — auf deren Anweisung (al jede) David das Psalterbuch geschrieben. Zehn Männer demnach, die in der Zeit vor David zu suchen waren, und unter denen für Davids Sohn, Salomo, nur schwer noch Platz blieb. (Sein Name steht über dem 72. Psalm.) *) Ich lasse das alles auf sich beruhen. Es lenkt nur ab von der gewichtigen Frage nach dem Sinn der Fünf. Die Auskünfte, die bisher geboten wurden, reichten nicht aus. Die erste zwang nur, zu fragen, worin denn außer in der Fünfzahl die Ähnlichkeit der Teilung des Psalters und der Thora eigentlich bestehe — da die Konstatierung des bloßen Sachverhalts doch nur die in Erscheinung tretende Wirkung des Teilens beschreibt; die zweite Auskunft veranlaßt nur, daß unsere anfangs ausgebreitete Fragenreihe auf kleinere Objekte gerichtet und dementsprechend — verfünffacht wird! Alle Fragen an den fünfteiligen Psalter übertragen sich mutatis mutandis auf jedes einzelne Psalterbuch. Mendelssohn und Michael Sachs, die sich mit ihren Psalmenübersetzungen an die gebildetsten Beurteiler der Literatur, an Lessing und Rückert wandten, kennen unsere Fragen beide nicht Die evangelische Kirche läßt aus anfänglicher Treue gegen die Tradition — Luthei* scheint der Frage kaum Beachtung geschenkt zu haben — die alte Fünfteilung stehen und so ist noch in dem modernsten Bibeldruck der Psalter ein kleiner Pentateuch.2) Die Bücher reichen 1) Der Nam« Mosis, der über verschiedenen Psalmen steht, soll dem Aben Ezra Anlaß gegeben haben, diesen Moses als einen Sänger aus dem Chor des David zu erklären. 2) Die auf Augustin zurückgehende christologische Umdeutung des Psalters hat 192* Paul Th. Hoffmann in seinem Buche: „Der mittelalterliche Mensch, gesehen aus Welt und Umwelt Notkers des Deutschen", behandelt. 24

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